Victor von Strauß
male (1809–1899)
Translations
170-
Bai hua 白華: Klage der verstoßenen Königin (Anonymous (Shijing))
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Weiß umblühte Binsenreiser Schnüren weiße Halme ein. Ach, von ihm hinweggesendet, Bin ich einsam und allein. Die beglänzte weiße Wolke Thauet Halm' und Binsen an. Hart und schwer des Himmels Wege, Ach, daß er sich nicht besann! Nordwärts fließen Rieselgräben, Wässern Reißgefilde an. Seufzend sing' ich, Weh im Busen, Denk' an den erhabnen Mann. Maulbeerholz, geholt zum Brande, Zünd' ich an im Öfelein. Dieser Mann, so hoch von Stande, Ja, er giebt mein Herz der Pein. Pauk' und Glocke vom Palaste Hör' ich schallen bis hierher. Sein gedenk' ich unter Schmerzen, Und er achtet mein nicht mehr. Ist der Reiher an dem Deiche, Ist der Kranich in dem Hain. Dieser Mann, so hoch von Stande, Ja, er giebt mein Herz der Pein. Haubenten sind am Deiche, Falten links die Flügel ein. Ohne Güte läßt er gleiche Tugend dieß wie jenes sein. Jener Stein ist zu verächtlich, Ihn betreten bringt nur Schmach. Doch daß Er mich weggesendet, Läßt mir bittre Schmerzen nach.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 379f. -
Bai ju 白駒: Mahnung an einen verehrten Freund, sich dem öffentlichen Dienst nicht zu entziehen (Anonymous (Shijing))
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Das glänzend helle Schimmelfüllen Zehrt meines Gartens Gräserei; Ich fesselt' es, ich band es läßlich, Daß länger dieser Morgen sei, Damit auch jener, den ich meine, Sich hier erhole sorgenfrei. Das glänzend helle Schimmelfüllen Zehrt meines Gartens Bohnenmast; Ich fesselt' es, ich band es läßlich, Daß länger dieses Abends Rast, Damit auch jener, den ich meine, Hier bleib' als auserwählter Gast. Das glänzend helle Schimmelfüllen, Wie herrlich, als es mir erschien! Wärst du ein Fürst, wärst du ein Herzog, Und Muß' ohn' Ende dir verlieh'n! Doch hüte dich vor Müssiggange, Bezwing' den Wunsch, die Welt zu flieh'n. Das glänzend helle Schimmelfüllen Es würd' im öden Tal allein Mit einem Bündlein Grases sein, Ist auch sein Herr ein Edelstein, Nicht sei dein Ruf dir Edelstein und Gold, Wenn doch mein Herz dich lassen sollt'.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 297f. -
Ban 般: Tscheu's Herrlichkeit (Anonymous (Shijing))
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O wie so herrlich wurde Tscheu! Es steigt auf seine hohen Berge, Bergkämme und erhab'nen Gipfel, Es geht den ganzen Tag entlang Und über alles unterm Himmel, Vereinend was ihm nur entspricht. Das ist nun Tscheu's Beruf geworden.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 498. -
Ban 板: Schärfere Mahnungen (Anonymous (Shijing))
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Der höchste Herr hat sich gekehrt, Elend das niedre Volk verzehrt. Ihr redet, was sich nicht bewährt, Beschließt, was nicht weithin begehrt; Kein Weiser ist, d'ran ihr euch kehrt, Und Redlichkeit ist ohne Wert. Beschließt ihr, was nicht weit begehrt, Halt' ich's der ernsten Weisung werth. Schickt jetzt der Himmel schweres Leid, So zeigt nicht solche Fröhlichkeit! Ist jetzt der Himmel so erregt, So zeigt euch nicht so unbewegt! Stimmt' euer Reden überein, Würd' auch das Volk bald einig sein; Wär' euer Reden hold und mild, So wär das Volk auch bald gestillt. Ob auch mein Dienst ein andrer ist, Bin ich doch euer Mitgespann; Doch wenn ich euch ermahnen will, Hört ihr mich kalt verächtlich an. Ich rede von der ernsten Pflicht, Meint nicht, zum Lachen sei's nur so. Die Alten hatten einen Spruch: "Nimm Rath an auch von Heu und Stroh". Stürmt jetzt der Himmel auf uns ein, So treibt nicht solche Spötterei'n! Doch sprech' ein Alter noch so wahr, Die Jugend blickt hochmütig d'rein. Nicht ich red' Altersfaselei'n: Ihr treibt mit Elend Spötterei'n; Doch ist der Brand erst allgemein, Wird weder Heil noch Hülfe sein. Wenn jetzt des Himmels Zorn begann, So gebt Geprahl und Schönthun d'ran! Doch Würd' und Ernst ist schier hindann; Ein Todtenknab' der beste Mann. Das Volk das seufz' und ächze wie es kann, Zur Prüfung wagen wir uns nicht hinan. Ob Noth schon Überhand gewann, Nimmt sich doch keiner unsrer Massen an. Vom Himmel wird das Volk belehrt, Wie Pfeifenklang vom Flötenhauch, Wie Scepter von Halbsceptern auch, Wie Fassen von dem Handgebrauch; Mehr wird zum Fassen nicht begehrt. So wird das Volk gar leicht belehrt. Doch ist das Volk so sehr verkehrt, So bleibt doch selbst nicht auch verkehrt! Die Guten sind ein Zaunverband, Volksmassen eine Mauerwand, Die großen Länder eine Wehr, Die großen Stämm' ein Pfeilerstand, Die Tugendhaften Ruh-Gewähr, Die Stammessöhn' ein Wall umher. Laßt nicht den Wall zugrunde geh'n! Nicht ihn voll Furcht alleine steh'n! Habt vor des Himmels Zorne Scheu, Wagt nicht so eitle Spielerei! Scheut auch des Himmels Wandelgang, Wagt dieses Treiben nicht zu lang! Der hohe Himmel schaut darein, Er gehet mit euch aus und ein; Der hohe Himmel sieht es klar, Er wandelt mit euch immerdar.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 429-431. -
Bao yu 鴇羽: Dienstpflicht und Kindespflicht (Anonymous (Shijing))
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Wildgänse laut die Flügel regen Und setzen sich in Eichgehegen. Im Königsdienste gilt's, sich regen. Nicht anbau'n konnten wir den Hirsensegen; Wer wird denn unsrer Ältern pflegen? Endloser blauer Himmel du! Wann sind wir wieder dort zugegen? Der wilden Gänse Flügel schallt, Sie setzen sich im Dornenwald. Im Königsdienste gilt's, sich regen. Fern sind wir, da es Hirse säen galt; Wie wird den Ältern Unterhalt? Endloser blauer Himmel du! Kommt denn noch nicht das Ende bald? Der wilden Gänse lärm'gen Heeren Muß Rast der Maulbeerhain gewähren. Im Königsdienste gilt's, sich regen. Der Bau von Reiß und Mais mußt' uns entbehren, Wie werden sich die Eltern nähren? Endloser blauer Himmel du! Wann wird die Ordnung wiederkehren?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 203. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 243. -
Bei feng 北風: Dringen auf Auswanderung in unglücklicher Zeit (Anonymous (Shijing))
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Die Wind' aus Norden frostig wehn, Und Schneegestöber niedergehn. Die ihr mir wolwollt und mich liebt, Nehmt meine Hand und laßt uns gehn! Da säumt ihr hier, da stockt ihr dort! Es kam aufs höchste! auf und fort! Die Wind' aus Norden pfeifen schier, Und Schneegestöber treiben hier. Die ihr mir wolwollt und mich liebt, Nehmt meine Hand und kommt mit mir! Da säumt ihr hier, stockt ihr dort! Es kam auf's höchste! auf und fort! Nichts roth hier, wenn's nicht Füchse waren; Nichts schwarz hier, wenn nicht Rabenschaaren. Die ihr mir wolwollt und mich liebt, Nehmt meine Hand und laßt uns fahren! Da säumt ihr hier, da stockt ihr dort! Es kam aufs höchste! auf und fort!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 112. -
Bei men 北門: Noth eines Staatsbeamten (Anonymous (Shijing))
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Durch's Nordthor bin ich fort gerannt, Von Gram im Herzen überrannt, In Noth und Elend stets gebannt, Und keinem ist mein Leid bekannt. Genug davon! denn oh, Des Himmels Fügung macht' es so; Was ist davon zu sagen, oh? Des Königs Dienste schicken mich, Die Staatsdienst', all' auf mich gehäuft, ersticken mich; Und kehr' ich dann von außen heim, Steh'n meine Hausgenossen rings und zwicken mich. Genug davon! denn oh, Des Himmels Fügung macht' es so; Was ist davon zu sagen, oh? Des Königs Dienste jagen mich, Die Staatsdienst', all' auf mich gehäuft, zerschlagen mich; Und kehr' ich dann von außen heim, Steh'n meine Hausgenossen rings und plagen mich. Genug davon! denn oh, Des Himmels Fügung macht' es so; Was ist davon zu sagen, oh?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 111. -
Bei shan 北山: Beamtenplagen (Anonymous (Shijing))
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Ich steig' hinauf das Nordgebirg Und sammle Mispeln in der Zeit. Ein Mann im Amt, voll Tüchtigkeit, Ist früh und spät dem Dienst geweiht. Im Königsdienst gilt kein Versäumen; Doch Vater, Mutter sind voll Leid. Der weite Himmel überspannt Nichts was nicht wäre Königs Land. Von allen Ufern landherein Ist kein Bestallter, der nicht sein. Die Großen aber thun nicht fein: Dienst muß ich leisten wie als klug allein. Mein Hengstgespann rennt ohne Rast; Des Königs Dienst erfordert Hast. Man lobt mich, daß ich noch nicht alt, Daß Wen'ge mir an Kräften gleich. Solang' mein Rückgrat noch nicht weich, Hab' ich zu sorgen rings im Reich. Die Einen ruh'n zu Hause mit Behagen, Wenn Andre sich im Reichsdienst müde plagen; Die Einen rasten hingestreckt auf Kissen, Wenn Andre unaufhörlich reisen müssen. Die Einen kennen nicht Geschrei noch Lärmen, Wenn Andre sich in schwerem Mühsal härmen; Die Einen liegen müßig auf dem Rücken, Wenn Andre schier des Königs Dienst' erdrücken. Die Einen weilen froh beim Trinkvergnügen, Wenn Andre schwergeängstet bangt vor Rügen; Die Einen geh'n umher und splitterrichten, Wenn Andre jeden Dienst allein verrichten.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 341f. -
Bi gong 閟宮: Lobgesang auf den Fürsten Hi von Lu (Anonymous (Shijing))
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Wie still die heil'gen Tempel steh'n, An Bau und Ausstattung vollzogen! Höchst auserwählt war Kiang Juan, Die nie von Tugend abgebogen! Ihr war der Höchste Herr gewogen, Und ohne Leiden, ohne Weh'n, Genau als ihre Mond' entflogen, Gebar sie den Heu-tsi zur Welt, Dem aller Segen ward gesellt, Mit Hirten, spät und früh im Feld, Und früh' und spätem Kraut und Spelt. Bald ward ein Lehnstaat ihm bestellt, Wo er das Volk ließ bau'n das Feld. Da gab es Hirsen, schwarz und weiß, Gab's Opferhirse, gab es Reiß. Und bald in allen Landes Kreis Führt' er Jü's Anfang fort mit Fleiß. Es war des Heu-tsi Nachgeschlecht, Aus welchem König Thai entsprang, Der südlich wohnt' am Khi-Bergs Hang, Im Anbeginn des Falls von Schang; D'rauf Wen und Wu bei ihren Zeiten Thai's Anfang wußten fortzuleiten Bis zu des Himmels Endbeschluß. Und als es hieß auf Mu's Gebreiten: "Kein Zweifeln! keine Bangigkeiten! Der Höchste Herr ist dir zu Seiten!" Da zeigt' er Schang's Geschwadern Streiten; Ein Jeder that sein Heldenwerk. Der König sprach: "Ohm, höre zu! Einsetz' ich deinen Erstgebor'nen, Daß er als Fürst regier' in Lu, Und viel dem Lande leg' ich zu, Daß es dem Tscheu-Haus Hülfe thu'." Da setzt' er ein den Fürst von Lu, Und gab die Ostmark ihm zu Handen. Er wies ihm Berg' und Flüsse zu, Sammt Gründen, Feldern, Nebenlanden. Und nun kommt des Tscheu-Fürsten Enkel, Es kommt der Sohn des Fürsten Tschuang Zum Opfer mit dem Drachenbanner Und den sechs Zügeln, schmeidig, lang. Nie bleibt's im Lenz und Herbst ihm fern, Die Opfer fehllos darzubringen Dem höchsten Herrschenden, dem Herrn; Und seinem hohen Ahn Heu-tsi Bringt er die Stiere, roth und rein. Die nehmen's an, die freu'n sich sein Und senden reichliches Gedeih'n. Der Tscheu-Fürst und die hohen Ahnen, Auch diese segnen deine Bahnen. Wird's Herbst, hat man des Opfers Acht. Mit Stirnbrett Sommers schon bedacht, Wird weißer Stier, wird rother bracht; Die Stierpokale steh'n in Pracht; Rostbraten, Hackfleisch, Brühe lacht, Dann Schüsseln, Näpfe, große Tracht; Der Tanzchor ist vermannigfacht. Heil für den frommen Sohn erwacht, Es wird dir Glanz und Reichthum zugedacht, Dein Leben lang und Alles gut gemacht, Daß du dieß Ostland hältst in Wacht, Und Lu bleibt stets in deiner Macht, Unabgemindert, unversehrt, Und unerschüttert, unbeschwert; Dazu drei Alte, treu und bewährt Wie Berg' und Gipfelhöh'n der Erd'. Der Fürst kann tausend Wagen führen Mit rothen Quasten, grünen Schnüren, Die je zwei Speer' und Bogen zieren. Sein Fußvolk sind dreimal Zehntausend Im Muschelhelm mit rothen Schnüren, Viel Fußvolks läßt sein Feuer spüren, Die Sjung, die Ti zur Zucht zu führen, King, Schu zu zücht'gen nach Gebühren, Daß nirgends Widerstand sich wagt zu rühren, Und Glanz und Fülle wird dir zugesendet, Und Lebensläng' und Reichthum dir gespendet; Gekrümmte Rücken, graues Haar – Wer Greis ist, wird im Dienst verwendet; Du wirst gedeih'n und wachsen immerdar, Wirst altern ohne deiner Kraft Gefahr, Und tausendmahl zehntausend Jahr' Sind deine greisen Brauen Kummers bar. Hoch spitzt das Thai-Gebirg sich zu, Auf das man blickt im Lande Lu; Der Kuei, der Mung sind uns zur Hand; Bald geht's in's fernste Morgenland Bis zum Gebiet am Meeresstrand; Der Koai-Barbar sucht Freundschaftsband, Nicht Einer leistet Widerstand; – Das bringt der Fürst von Lu zu Stand. Den Fu-, den Ji-Berg wird er wahren, Wird über Siu's Bewohner fahren Bis zum Gebiet am Meeresstrand. Die Man, die Me, die Koai-Barbaren, Die Horden dort im Mittagsland – Nicht Einer leistet Widerstand, Nicht Einer wagt Bejah'n zu sparen; Lu's Fürsten huld'gen ihre Schaaren. Der Himmel wendet Heil dem Fürsten zu. Mit greisen Brauen schirmt er Lu, Hält seinen Hof in Tschang und Hu, Und bringt des Tscheu-Fürst ganz Gebiet herzu. Da schmaust der Fürst, ein froher Mann, Mit Weib und greiser Mutter dann, Mit Großen und Beamten lobesan; Hält Lehn und Land sich unterthan, Und wird noch Segens viel empfah'n Bei greisem Haar und Kindes Zahn. Vom Ts'hu-lai wurden Fichtenstämme, Cypressen von des Sin-fu Seit' Gehau'n und in Gemessenheit Nach Ruth' und Elle zubereit't. Die Fichtenbalken waren breit, Die Hallen wurden hoch und weit, Und reich der Tempel Herrlichkeit, Die Hi-sse neu zu dieser Zeit Gebaut gar groß und hoch und weit Zu alles Volks Zufriedenheit.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 505-509.
PK an Frau Storm: Das Wort "Herr" wird im Buch von von Strauß im Sütterlin jedes Mal "HErr" geschrieben, ich habe die Schreibweise allerdings angepasst/korrigiert. Falls es sich dabei um eine mir nicht bekannte, aber übliche Form handelt, kann Ich die Abschrift gerne ändern. -
Bi gou 敝笱: Wen-Kiangs freche Besuche in Thsi nach ihres Gemahls Ermordung (Anonymous (Shijing))
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Zerbrochne Reusen sind am Damm Beim Brassen- und beim Karpfenvolke. Die Tochter Thsi's, sie kehrt zurück, Und ihr Gefolge gleicht der Wolke. Zerbrochne Reusen sind am Damm, Dabei sich Brass' und Schlei' bewegen. Die Tochter Thsi's, sie kehrt zurück, Und ihr Gefolge gleicht dem Regen. Zerbrochne Reusen sind am Damm, Frei geh'n die Fische durch die Ruthen. Die Tochter Thsi's, sie kehrt zurück, Und ihr Gefolge gleicht den Fluthen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 184. -
Biao you mei 摽有梅: Furcht, eine alte Jungfer zu werden (Anonymous (Shijing))
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Geschüttelt sind die Pflaumen, Und übrig sind noch sieben, oh. Die ihr mich wollt, ihr jungen Herrn, Jetzt ist die Zeit zum Lieben, oh. Geschüttelt sind die Pflaumen, Und übrig sind noch dreie, oh. Die ihr mich wollt, ihr jungen Herrn, Jetzt ist es an der Reihe, oh. Geschüttelt sind die Pflaumen, Und all' in vollen Körben da. Die ihr mich wollt, ihr jungen Herrn, Jetzt ist die Zeit zum Werben da.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 86. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 36. -
Biao you mei 摽有梅: Geschüttelt sind die Pflaumen (Anonymous (Shijing))
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in: Kürschner, Josef. China. Schilderungen aus Leben und Geschichte, Krieg und Sieg. Ein Denkmal den Streitern und der Weltpolitik. Leipzig: Verlag von Hermann Zieger, 1901.
Excerpt. -
Biao you mei 摽有梅: Geschüttelt sind die Pflaumen (Anonymous (Shijing))
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Geschüttelt sind die Pflaumen, Und übrig sind nur sieben, o! Die ihr mich wollt, ihr jungen Herrn, Jetzt ist die Zeit zum Lieben, o! Geschüttelt sind die Pflaumen, Und übrig sind nur dreie, o! Die ihr mich wollt, ihr jungen Herrn, Jetzt ist es an der Reihe, o! Geschüttelt sind die Pflaumen, Und all in vollen Körben da. Die ihr mich wollt, ihr jungen Herrn, Jetzt ist die Zeit zum Werben da.–
in: Brandes, Georg. Die chinesische Dichtung von Otto Hauser. Mit 9 Vollbildern in Tonätzung. Berlin W.: Marquardt Co., Verl.-Anst. G.m.b.H., 1905. p. 12. -
Bin zhi chu yan 賓之初筵: Weingenuß in Maß und Unmaß (Anonymous (Shijing))
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Die Gäste, die den Matten nah'n, Reih'n links und rechts sich fein daran. Gereih't steh'n Näpf' und Schüsseln dort, Zukost und Frücht' an ihrem Ort; Und da der Wein so süß und fein, Trinkt man gar einig seinen Wein. Glocken und Pauken steh'n zurecht, Mit sitt'gem Zutrunk wird gezecht. Dann wird die große Scheib' errichtet, Und Pfeil und Bogen zugerichtet, Und wenn gepaart die Schützen steh'n: "Nun lasset eure Schießkunst seh'n! Und trefft das weiße Mittelmal, Zu fordern euern Strafpokal!" Mit Pfeif' und Pauk' im Flötentanz Schallt die Musik harmonisch ganz; Zu würd'ger Ahnen Lust und Glanz Nimmt man die hundert Bräuch' in Acht. Und sind die hundert Bräuch' erbracht, So groß sie sind, so mancherlei, – Dann: "legen sie dir vollstes Glück Und Kindern, Enkeln Segen bei!" Und seid ihr ihres Segens froh, Wies Jeder, weß er fähig sei, So schöpft ein Gast mit eigner Hand, Es tritt herein ein Kämm'rer auch Und schenkt den Ruhebecher ein, Zu enden euern Jahrszeitbrauch. Die Gäste, die den Matten nah'n, Mit feinstem Anstand geh'n sie dran. So lange sie nicht trunken worden, Bleibt Sitt' und Haltung wolgethan; Sobald sie aber trunken worden, Schwankt Sitt' und Haltung aus der Bahn, Sie steh'n vom Platz' auf, ändern dran, Sie springen tanzend auf den Plan. Solange sie nicht trunken worden, Sind Sitt' und Haltung ausgesucht; Sobald sie aber trunken worden, Geh'n Sitt' und Haltung auf die Flucht; Denn eben weil sie trunken worden, Weiß keiner mehr von rechter Zucht. Sobald die Gäste trunken worden, So schrei'n und lärmen sie umher, Verwirren uns die Näpf' und Schüsseln, Und tanzen taumelnd hin und her; Denn eben weil sie trunken worden, Merkt keiner seinen Unfug mehr. Die Hüte schief auf ihren Köpfen, So tanzen sie bis zum Erschöpfen. Ist man berauscht und geht davon, Ist's allgemein für Glück zu schätzen; Ist man berauscht, geht aber nicht, Das heißt die Schicklichkeit verletzen. Weintrinken ist gar schön und gut, Doch nur, wenn man's fein sittig thut. Bei jedem dieser Weingelage Wird mancher trunken, mancher nicht. Drum wird ein Trinkwart eingesetzet, Und ein Gehülf' ihm zum Bericht. Und wenn die Trunkenen nicht gutthun, Daß Nichtberauschte Scham anficht, So mahnen sie die Unfolgsamen, Daß Rohheit nicht die Schranke bricht, Daß Unsagbares nicht gesagt wird, Nicht Unbefolgbar's vorgebracht; Da Worte Trunkener befolgen, Hornlose Widder ausgeh'n macht. Wem schon den Sinn drei Becher rauben, Wie darf sich der noch mehr erlauben?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 365-367. -
Bo xi 伯兮: Trauer über des Gatten Entfernung (Anonymous (Shijing))
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Mein Held, welch Kriegsfester, oh! Des Landes Allerbester, oh! Mein Held, der führt den langen Speer, Und vor dem König jagt er her. Seitdem mein Held gen Osten strich, Mein Haupt dem Wollenkraute glich. Ob mir es denn an Salben fehlt? – Ach, wem zu Liebe schmückt' ich mich? Es regne nur! es regne nur! Hell kommt daraus der Sonnenschein. Nach meinem Helden sehn' ich mich; Süß ist für's Herz des Hauptes Pein. Ja, hätt' ich des Vergessens Kraut, Wol hinterm Hause pflanzt' ich's ein, Doch meines Helden dächt' ich stets, Mag auch mein Herz voll Wehe sein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 139. -
Bo zhou "Fan bi bo zhou, yi fan qi liu" 柏舟 "汎彼柏舟,亦汎其流": Unverdiente Zurücksetzung und Kränkung (Anonymous (Shijing))
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Da schwimmet der Zypressenkahn, Und schwimmet seine Wogenbahn. So treibt mich's ohne Ruh' und Schlaf, Wie wen da nagt des Schmerzes Zahn. Nicht, weil mir Wein wär' abgethan, Daß ich lustwandle sonder Plan. Kein bloßer Spiegel ist mein Herz, Aufnehmen kann es nicht allein. Und hab' ich ja der Brüder auch, Das kann mir keine Stütze sein. Komm' ich und klage meine Pein, So fährt ihr Zorn auf mich herein. Mein Herz ist nicht ein Stein der Flur, Den hin und her man trollen kann; Mein Herz ist keine Matte nur, Die auf und zu man rollen kann; Stets übt' ich Ehrbarkeit und Zucht, Nichts, dem man Tadel zollen kann. Nur Grams ist sich mein Herz bewußt, Mich haßt die Schaar voll niedrer Luft; Daß ich der Kränkung viel schon sehn, Der Schmach nicht wenig tragen mußt'. Stillschweigend sinn' ich drüber nach, Wach' auf – und schlag' an meine Brust. O Sonne du, und du, o Mond, Habt ihr das Wechseln umgegeben? Ach meines Herzens bittres Leid Ist ungewaschnen Kleidern eben. Stillschweigend sinn' ich drüber nach, Und – Flügel kann ich nicht erheben.–
in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur. Aus dem Literaturschatz der Morgenländer (Inder, Chinesen, Hebräer, Araber, Perser, Türken), - der Alten (Hellen und Römer), - der Romanen (Provençalen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Franzosen), - der Germanen (Engländer, Deutschen, Niederländer, Isländer, Schweden, Dänen), - der Slaven (Böhmen, Serben, Polen, Russen), - der Magyaren (Ungarn) und der Neugriechen. Stuttgart: Ad. Becker's Verlag, 1848. p. 15. –
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 92f. -
Bo zhou "Fan bi bo zhou, zai bi zhong he" 柏舟 "汎彼柏舟,在彼中河": Die treue Wittwe (Anonymous (Shijing))
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Da schwimmet der Zypressenkahn Bis mitten in den Strom hinein. Den wir in Doppellocken sahn, Ja, er nur durfte für mich sein. Kein Andrer bis zum Tod, ich schwör's, wird mein; O Mutter und o Himmel du, O trauet ihr mir das nicht zu? Da schwimmet der Zypressenkahn, Und naht des Stromes Seite sich. Den wir in Doppellocken sahn, Ja, Er allein war da für mich. Kein Schlechtes bis zum Tod, ich schwör's, thu' ich; O Mutter und o Himmel du, O trauet ihr mir das nicht zu?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 116. -
Cai fan 采蘩: Wie die Fürstin das Frühopfer des Fürsten sorgsam vorbereitet und ihm würdiglich beiwohnt (Anonymous (Shijing))
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Wermuth abzupflücken geht sie An die Inseln, an die Weiher; Gehet um ihn zu verwenden Bei des Fürsten Opferfeier. Wermuth abzupflücken geht sie An den Bächen in dem Thale; Gehet um ihn zu verwenden In des Fürsten Ahnensaale. Hebt ihr Haupt im Schmuckgefunkel Bei dem Fürsten früh im Dunkel, Senkt's im Schmuckgefunkel nieder, Und gelassen geht sie wieder.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 79. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 9. -
Cai ge 采葛: Abwesenheit des Geliebten (Anonymous (Shijing))
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Ach, da pflückt er Ko-Gerank, – Und Ein Tag, ohn' ihn zu sehen, Wird mir ja drei Monden lang! Ach, da pflückt er Stabwurz heut, – Und Ein Tag, ohn' ihn zu sehen, Wird mir dreier Herbste Zeit! Ach, da pflückt er Beifuß ein, – Und Ein Tag, ohn' ihn zu sehen, Ist als ob's drei Jahre sei'n.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 150. -
Cai ling 采苓: Gegen Klatschereien (Anonymous (Shijing))
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Süßholz pflücken, Süßholz pflücken Magst du auf des Scheu-jang's Rücken! Bringen Leute dir Geschichten, Lasse ja dich nicht berücken. Laß ihr Tichten! laß ihr Tichten! Daß es wahr sei, glaub' mit nichten! Bringen Leute dann Geschichten, Was kann das verrichten? Raute binden, Raute binden Magst du in des Scheu-jang's Gründen! Bringen Leute dir Geschichten, Laß sie ja nicht Glauben finden. Laß ihr Tichten! laß ihr Tichten! Daß es wahr sei, glaub' mit nichten! Bringen Leute dann Geschichten, Was kann das verrichten? Senf zu brechen, Senf zu brechen, Such' an Scheu-jang's Morgenflächen! Bringen Leute dir Geschichten, Laß ja nicht dein Ohr bestechen. Laß ihr Tichten! laß ihr Tichten! Daß es wahr sei, glaub' mit nichten! Bringen Leute dann Geschichten, Was kann das verrichten?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 207. -
Cai lü 采綠: Des Gemahls Entfernung (Anonymous (Shijing))
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Kraut sucht' ich morgenlang mir ein, Doch keine Handvoll sollt' es sein. Zerworren ward das Haupthaar mein, Da kehrt' ich heim und wusch es rein. Ich sucht' Anil den Morgen schier, Doch nicht die Schürze füllt er mir. Der fünfte Tag, das war die Frist: Am sechsten ist er noch nicht hier. So oft mein Herr zum Jagen ging, Hab' ich ihm eingepackt den Bogen; So oft mein Herr zum Angeln ging, Hab' ich die Schnur ihm aufgezogen. Wenn er geangelt, was dann war's? Es waren Karpfen, waren Brassen; Und waren's Karpfen, waren's Brassen, So durften sie sich sehen lassen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 376. -
Cai pin 采蘋: Sorge der jungen Gemahlin eines hohen Beamten für die häuslichen Opfer (Anonymous (Shijing))
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Wasserampfer geht sie brechen Südwärts an des Thales Bächen; Doldennarfen geht sie pflücken An beschwemmten Bodenstücken. Gehet, sie hineinzulegen In die Körbe, in die Wannen; Gehet, um sie abzusieden In den Töpfen und den Pfannen. Geht, und unterm Mittagsfenster Stellt sie's auf im Ahnensaal. Und wer ist es, der da opfert? Würdiglich ein zart Gemahl.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 81. -
Cai qi 采芑: Fang-schu's Sieg über die Man-King (Anonymous (Shijing))
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Als man die weiße Hirse band Dort auf den neuen Ackerlagen, Hier auf dem frischgebrochnen Land, Da nahm Fang-schu sein Amt zur Hand. Dreitausend waren seiner Wagen, Sein Heer bewährt im Widerstand. Die Truppen führte Fang-schu an; Er fuhr mit seinem Schimmelspann. Das Schimmelspann hielt ebnen Gang. Das Roth bewies des Wagens Rang, Sammt Schirmwand, Fischhautköcher blank, Und Brustgespäng' und Zaumbehang. Als man die weiße Hirse band Dort auf den neuen Ackerlagen, Hier auf der Dörfer Länderei'n, Da nahm Fang-schu sein Amt in Hand. Dreitausend waren seiner Wagen, Kriegsbanner flatterten darein. Die Truppen führte Fang-schu an. Jochschmuck und Nabenband ließ fein, Hell klirrten acht Zaumglöckelein. Er trug sein hohes Amtsgewand; Der Scharlachschurz gab Glanz und Schein, Laut klang das grüne Gurtgestein. Rasch ist die Weih' in ihrem Flug, Ob der sie mag zum Himmel tragen, Ob sie zum Sitzen niederfährt. So nahm Fang-schu sein Amt zur Hand. Dreitausend waren seiner Wagen, Sein Heer im Widerstand bewährt. Die Truppen führte Fang-schu an. Mit Cymbelschlägern, Trommlerklängen Stellt' er die Schaaren, lenkt' er Mengen. Klug und verläßlich ist Fang-schu: Der Trommelschlag klang dumpf und bang, – Heim zog das Heer mit munterm Klang. Verblendet wollten die Man-King Dem großen Reich sich feind gebaren. So hoch Fang-schu auch war an Jahren, So kühn doch sein' Entwürfe waren. Die Truppen führte Fang-schu an; Er griff die Frevler, fing die Schaaren. Streitwagen rollten da in Menge, In Übermeng', in Überschwang Wie Wolkenkrach und Donnerklang. Klug und verläßlich ist Fang-schu, Der auszog und die Hian-jun schlug Und die Man-King zur Ehrfurcht zwang.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 285f. -
Cai shu 采菽: Des Königs Erwiderung auf das vorige Lied (Anonymous (Shijing))
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Herrlich, herrlich sind die Blüthen, Die in Laubes Stille prangen. Da ich diese Herrn erblickt, Ist das Herz mir aufgegangen. Ist das Herz mir aufgegangen, Sollen sie dafür auch Lob und Preis empfangen. Herrlich, herrlich sind die Blüthen, Prächtig ist das Gelb an ihnen. Da ich diese Herrn erblickt, Waren sie mit Glanz erschienen. Waren sie mit Glanz erschienen, Soll es auch zu ihrem Besten dienen. Herrlich, herrlich sind die Blüthen, Gelbe nun und weiße dann. Da ich diese Herrn erblickt, Fuhren sie mit Schimmelsspann'. Fuhren sie mit Schmmielsspann', Glänzten die sechs Zügel dran. Ging's zur Linken: – ging's zur Linken Nach der Herrn bewährten Winken. Ging's zur Rechten: – ging's zur Rechten, Zeigend, was die Herrn vermöchten. Zeigen sie was sie vermöchten, Sind sie darin auch die Ächten.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 357. -
Cai wei 采薇: Die Krieger beim Feldzug gegen die Hsiän-yün (Anonymous (Shijing))
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Pflückt Farrenkeim! pflückt Farrenkeim! Die Gabelfarne sind im Sprossen. O ging es heim! o ging es heim! Doch wohl ein Jahr ist dann verflossen. Uns blieb nicht Haus, nicht Hausgenossen, Dieweil die Hsiän-yün sich ergossen. Und Ruh und Rast sind ausgeschlossen, Dieweil die Hsiän-yün sich ergossen. Pflückt Farrenkeim! pflückt Farrenkeim! Nun sind die Gabelfarne zart. O ging es heim! o ging es heim! Den Herzen bringt nur Leid die Fahrt. Leidvolle Herzen brennen hier, Bald hungern wir, bald dürsten wir, Und eh nicht unsre Grenzdienst' enden, Ist nicht um Nachricht heimzusenden. Pflückt Farrenkeim! pflückt Farrenkeim! Nun sind die Gabelfarne hart. O ging es heim! o ging es heim! Der zehnte Jahresmond steht in Wart. Doch Königsdienst will keine Trägen; Wir dürfen nicht der Ruhe pflegen. Die Herzen sind voll Leid und Schmerz: Denn weiter gehts, nicht heimatwärts. Was aber prangt so herrlich da? Waldkirschen, welche Blüten tragen? Was fähret auf der Straße da? Das ist des Heeresfürsten Wagen! Sein Kriegeswagen ist bespannt, Vor dem vier Hengste stolz sich wiegen. Wer wagt zu rasten und zu ruhn? Ein Monat läßt uns dreimal siegen! Vier Hengste sind davorgespannt, Vier Hengste, kühn und kampferhitzt, Auf die der Heeresfürst sich stützt, Die der gemeine Mann beschützt, - Vier Hengste, Flügeln gleichgebracht, - Fischköcher, elfne Bogenpracht, - Wie hielten wir nicht täglich Wacht? Gar heftig drängt der Hsiän-yün Macht. Vordem, da wir hinausmarschiert, Da neigten sich die schwanken Weiden; Nun, wenn wir wieder heimwärts ziehn, Wird Schneefall stöbern auf den Heiden. Der Marsch ist weit und nicht zu neiden, Nicht Durst, nicht Hunger sind zu meiden; Uns wird die Qual das Herz zerschneiden, Und keiner weiß von unsern Leiden.–
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 230-232. –
in: Fassmann, Kurt. Gedichte gegen den Krieg. München: Kindler Verlag, 1961. p. 12f. -
Cai wei 采薇: Lied der Krieger beim Feldzuge gegen die Hian-jün (Anonymous (Shijing))
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Pflückt Farrenkeim! pflückt Farrenkeim! Die Gabelfarne sind im Sprossen. O ging' es heim! o ging' es heim! Doch wol ein Jahr ist dann verflossen. Uns blieb nicht Haus, nicht Hausgenossen, Dieweil die Hian-jün sich ergossen. Und Ruh' und Rast sind ausgeschlossen, Dieweil die Hian-jün sich ergossen. Pflückt Farrenkeim! pflückt Farrenkeim! Nun sind die Gabelfarne zart. O ging' es heim! o ging' es heim! Den Herzen bringt nur Leid die Fahrt. Leidvolle Herzen brennen hier, Bald hungern wir, bald dürfen wir, und eh' nicht unsre Gränzdienst' enden, Ist nicht um Nachricht heimzusenden. Pflückt Farrenkeim! pflückt Farrenkeim! Nun sind die Gabelfarne hart. O ging' es heim! o ging' es heim! Der zehnte Jahrsmond steht in Wart. Doch Königsdienst will keine Trägen; Wir dürfen nicht der Ruhe pflegen. Die Herzen sind voll Leid und Schmerz: Denn weiter geht's, nicht heimathwärts. Was aber prangt so herrlich da? Waldkirschen, welche Blüthen tragen? Was fähret auf der Straße da? Das ist des Heeresfürsten Wagen! Sein Kriegeswagen ist bespannt, Vor dem vier Hengste stolz sich wiegen. Wer wagt zu rasten und zu ruh'n? Ein Monat läßt uns dreimal siegen! Vier Hengste sind davorgespannt, Vier Hengste, kühn und kampferhitzt, Auf die der Heeresfürst sich stützt, Die der gemeine Mann beschützt, – Vier Hengste, Flügeln gleichgebracht, – Fischköcher, elfne Bogenpracht, – Wie hielten wir nicht täglich Wacht? Gar heftig drängt der Hian-jün Macht. Vordem, da wir hinausmarschirt, Da neigten sich die schwanken Weiden; Nun, wenn wir wieder heimwärts zieh'n, Wird Schneefall stöbern auf den Heiden. Der Marsch ist weit und nicht zu neiden, Nicht Durst, nicht Hunger sind zu meiden; Uns wird die Qual das Herz zerschneiden, Und keiner weiß von unsern Leiden.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 265-267. -
Cao chong 草蟲: Aus dem Schi-king, 29. "Es zirpet laut die Grill' im Gras" (Anonymous (Shijing))
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Es zirpet laut die Grill' im Gras, Es hüpft die Heuschreck' übers Feld. Noch seh' ich nicht den hohen Mann, Mein banges Herz ist gramgeschwellt. Könnt' ich ihn doch erst sehen, o, Ihm erst entgegentreten, o, Dann wär' mein Herz in Ruh gestellt. Ich stieg das Südgebirg' hinan, Da hab' ich Strahlensprehn gepflückt. Noch seh' ich nicht den hohen Mann, Mein banges Herz ist leidgedrückt. Könnt' ich ihn doch erst sehen, o, Ihm erst entgegengehen, o, Dann wär' mein Herz mit Trost beglückt. Ich stieg das Südgebirg' hinan, Da pflückt' ich Gabelfarn am Grund, Noch seh' ich nicht den hohen Mann, Mein banges Herz ist kummerwund. Könnt' ich ihn doch erst sehen, o, Ihm erst entgegengehen, o, Dann wär' mein Herz still und gesund.–
in: Seliger, Paul (ed.). Der Völker Liebesgarten. Leipzig: Verlag Julius Zeitler, 1909. p. 10f. -
Cao chong 草蟲: Sehnsucht nach dem entfernten Gemahl (Anonymous (Shijing))
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Es zirpet laut die Grill' im Gras, Es hüpft die Heuschreck' über's Feld. Noch seh' ich nicht den hohen Mann, Mein banges Herz ist gramgeschwellt. Könnt' ich ihn doch erst sehen, oh, Ihm erst entgegengehen, oh. Dann wär' mein Herz in Ruh gestellt. Ich steig das Südgebirg hinan, Da hab' ich Strahlensprehn gepflückt. Noch seh' ich nicht den hohen Mann, Mein banges Herz ist leidgedrückt. Könnt' ich ihn doch erst sehen, oh, Ihm erst entgegengehen, oh, Dann wär' mein Herz mit Trost beglückt. Ich stieg das Südgebirg hinan, Da pflückt' ich Gabelfarn am Grund. Noch seh' ich nicht den hohen Mann, Mein banges Herz ist kummerwund. Könnt' ich ihn doch erst sehen, oh, Ihm erst entgegengehen, oh, Ihm erst entgegengehen, oh, Dann wär' mein Herz still und gesund.–
in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 80. –
in: Hart, Julius and Hart, Heinrich (eds.). Das Buch der Liebe. Eine Blütenlese aus der gesammten Liebeslyrik aller Zeiten und Völker. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1882. -
Chang di 常棣: Die Bruderliebe (Anonymous (Shijing))
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Des wilden Kirschbaumes Blüthen, Erschimmern sie nicht voll und reich? Von allen Menschen unsrer Tage Sind keine doch den Brüdern gleich. Wenn Alle Tod und Trauer scheuen, So halten Brüder fest in Treuen; Und liegt's auf Berg und Thal zuhauf, Der Bruder sucht den Bruder auf. Bachstelzen laufen auf der Haid', So eilen Brüder zu im Leid. Die Einer hat, die guten Freunde, Sind nur zum Seufzen stets bereit. Die Brüder zanken wol im Hause, Doch draußen steh'n sie sich zur Wehr. Die Einer hat, die guten Freunde, Die eilen nicht zum Beistand her. Hat Leid und Streit dann aufgehört, Sind Ruh' und Frieden eingekehrt, Obwohl man dann auch Brüder habe, Man hält sie nicht gleich Freunden werth. Stell' deine Schüsseln du bereit, Und thu' im Wein vollauf Bescheid, Sind dann die Brüder dir zur Seit', Herrsch' Eintracht, Freud' und Zärtlichkeit. Sind Weib und Kinder hold verbunden, Das ist wie Harf' und Lautenklang; Und werden Brüder eins erfunden, Giebt's Freud' und Eintracht lebenslang. Mach' eins die deines Hauses sind, So hast du Freud' an Weib und Kind. Dem trachte nach, drauf sei gesinnt. Wirst seh'n, daß also sich's befind't!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 259f. -
Chang fa 長發: Zum Ahnenopfer des Schang-Hauses (Anonymous (Shijing))
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An Schang ward gründlicher Verstand Als sein Vorzeichen lang' erkannt. Da hoch der Fluth Gewässer stand, Es Jü vertheilt' auf allem Unterland, Die großen Außenland' in Gränzen band, Die rings umher sich ausgespannt, Da wurde Sung ein großes Land; Der Herr erhub den Sohn, und Schang entstand. Der schwarze König tapfer rang. Ihm ward ein kleines Land, und ihm gelang; Ihm ward ein großes Land, und ihm gleang. Fehllos verfolgt' er seinen Gang; Er sah nur hin, und Alles sprang. Siang-thu war so voll Feuerdrang, Daß er das Letzt' am Meer bezwang. Des Herrn Beschluß blieb unverkehrt, Er kam auf Thang, der war es werth; Und Thang ward nicht zu spät beschert. Mit Zucht und Weisheit stets genährt, Ward allgemach sein Glanz gemehrt. Der Höchste Herr, den er verehrt, Er hat den neun Gebieten zum Vorbild ihn gewährt. Die Edelstein' empfing er, groß und kleine, Ließ alle Lehn Behang am Banner sein. Des Himmels Huld gab ihm Gedeih'n. Von Ungestüm und Lässigsein, Von Härte wie von Schwäche rein, Regiert' er groß und ungemein, Und aller Segen wurde fein. Ihm ward Tribut von Klein und Groß gebracht; Er hat die Länder groß und reich gemacht. Des Himmels Huld war ihm erwacht. Weithin erwies er seine Macht; Und nie erregt, nie aufgebracht, Nie angeschreckt, nie scheu gemacht, – Hat aller Segen ihm gelacht. Und als der Held beim Banner stand Und fest die Steitaxt nahm zur Hand, Da glich er glühendem Feuerbrand, Und da war keiner, der uns widerstand. Die Wurzel hat drei Spross' entsandt, – Ihr Fortgang schwand, ihr Wachsthum schwand. Er nahm der neun Gebiete Land. Als Wei und Ku er überwand, Hielt mit Kuan-mu Hia Kie nicht Stand. Vordem in mittlern Zeiten war Das Land in Wanken und Gefahr. Doch traun! er war des Himmels Sohn; Der sandt' ihm einen Rath am Thron; Und dieser war Ngo-heng genannt, Der treu dem König Schang's zur Seite stand.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 515f. -
Chang wu 常武: König Siuan's Krieg und Sieg (Anonymous (Shijing))
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In Majestät und hocherleuchtet Gebot der König seinem Rath, Der da Nan-Tschung zum Ahnherrn hat, Hoang-fu, dem Feldmarschall im Staat: "Nun rüste meine sechs Armeen, Und halt' mein Kriegsgeräth parat. Laß Sorg' und Eifer nicht ermüden Zum Frommen uns'rer Land' im Süden." Dann sprach der König zu dem Jin: "Dieß gieb dem Fürst von Tschhing Hieu-fu bekannt: Er ordne links und rechts den Marsch, All' meiner Heere Commandant; Er zieh' am Hoai entlang den Strand, Den Blick zum Lande Siu gewandt, Ohn' Aufenthalt und Stillestand. Der Feldbau gehe fort im Land." Voll Majestät und Festigkeit Ist der erhab'ne Himmelssohn. Der König rückt bedachtsam vor, Nicht hastig, noch im Zaudergange. Dem Siu-Land mehr und mehr wird bange, Das Siu-Gebiet erbebt, erschrickt; Als ob der Donner krach' und wüth' Erbebt, erschrickt das Siu-Gebiet. Der König, den sein Muth durchmannt, Wie grimmerfüllt, wie zornentbrannt, Schickt seine Tigerhelden vor, Gleich wilden Tigern wuthgespannt; Nimmt weit hinaus des Hoai Gestade, Ergreift Gefangne vielerhand, Und schneidet ab den Weg zum Strand, An dem das Heer des Königs stand. Der Königsschaaren Überschwang, Wie fliegend, wie beschwingt im Gang, Und wie der Han und wie der Kiang, Und wie des Berges breiter Fuß, Und wie des Stromes Flutherguß, Kommt langgereiht und festgefügt, Und unvermuthet, unbesiegt, Bis rings das Siu-Land ihm erliegt. Des Königs Art war echt und treu. Das ganze Siu-Land kam herbei. Ganz Siu-Land kam herbei. Ganz Siu-Land sammelt sich schon; So Großes that der Himmelssohn. Ruh' ist das ganze Reich entlang; Das Siu-Land kam zum Hofempfang. Das Siu-Land bleibt nicht wieder aus. Der König sprach: "Ziehn wir nach Haus!"–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 457f. -
Che gong 車攻: Große Königliche Jagd zu Ehren der Lehnsfürsten (Anonymous (Shijing))
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Mit unsern Wagen, wohlverwahrt, Mut unsern Rossen, gleich gepaart, Mit je vier Hengsten edler Art Hinaus gen Osten ging die Fahrt. Jagdwagen warens, trefflich schier, Und groß die Hengste je zu vier; Im Osten ist weit Grasrevier, Dorthin zum Jagen fuhren wir. Die edlen Jägermeister drauf, Laut zählten sie der Männer Hauf, Und steckten Fahn und Jakschweif auf; Dann gings gen Ngao nach Wild im Lauf. Die Hengstgespanne trafen ein, Und Hengstgespann in langen Reihn, Und Scharlachschürz und Goldschuh fein, Als sollte Hofversammlung sein. Armschien und Schießring stimmten schön, Und Pfeil und Bogen paßten fein; Und alle Schützen halfen ein, Den Jagdertrag uns zu erhöhn. Manch Falbenspann der Zügel trieb, Kein Seitenroß zurückeblieb, Und keins den falschen Lauf beschrieb. Geschossner Pfeil war wie ein Hieb. Und fröhlich wieherten die Ross, Als Fahn und Fähnlein niederfloß. Still wurde Fuß- und Pferdetroß, Und voll nicht bloß die Küch im Schloß. Des Zuges Führer bei der Schar Vernahm man, doch kein Lärmen war. – O wahrlich ja, das ist ein Fürst! Der führet Großes aus, fürwahr!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 287f. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 236f. -
Che lin 車鄰: Anfänge feineren höfischen Lebens in Thsin (Anonymous (Shijing))
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Er hat viel Wagen, die rollen heran, Hat manch weißstirniges Rossegespann, Und nicht eh'r sieht man den hohen Herrn, Es meld' es ihm denn ein Verschnittener an. Lackbäume an Halden sich breiten, Kastanien auf niederen Weiten. Und lässet sich sehen der hohe Herr, So sitzen wir mit ihm beim Spiele der Saiten; Und ist dann Einer noch mißvergnügt, So wird er die Achtziger auch so beschreiten. Maulbeer'n an Halden ergrünen, Sahlweiden an niederen Bühnen. Und lässet sich sehen der hohe Herr, So sitzen wir mit ihm beim Spiel der Clarinen; Und ist dann Einer noch mißvergnügt, So bleibt er es auch, bis sein Ende erschienen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 208. -
Che xia 車轄: Auf dem Wege zur Braut (Anonymous (Shijing))
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Des Wagens Achsennägel knirschen mit Gesaus; Der zarten schönen Maid gedenkend, fahr' ich aus. Nicht Durst noch Hunger kommt mir ein: Bald wird die Tugendsame mein. Ob auch kein Freund sich zu uns fügt, Wir schmausen doch und sind vergnügt. Ist in der Eb'ne dichter Wald, Wird der Fasan zu ihm sich kehren. Wenn's Zeit ist für die hohe Maid, Wird mich's die Tugendreiche lehren. Dann schmausen wir, dann preis' ich sie: "Dich lieb' ich und ermüd' es nie!" Hab' ich auch nicht den besten Wein, Wir trinken dennoch eben wol; Hab' ich auch nicht das feinste Mahl, Wir speisen dennoch eben wol; Hab' ich auch Tugend nicht gleich dir, Doch singen wir und tanzen wir. Steigt man zu hohen Bergbereichen, So haut man Brennholz von den Eichen, O wieviel Laub ist allerwärts. Wenn ich nur selten dich gesehen, O wie erfreuet es mein Herz! Den hohen Berg erblickt man ja, Den weiten Weg beschickt man ja. Mein Hengstgespann rennt unaufhaltsam, Die Zügel sind wie Lautenspiel. Und seh' ich dich mir Unverlobte, So hat mein Herz des Wunsches Ziel.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 362f. -
Chen feng 晨風: Allzulange Abwesenheit des Gatten (Anonymous (Shijing))
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Fort schwinget sich der Sperber dort Zum Waldesdickicht hin gen Nord. Noch seh' ich nicht den hohen Mann; Mein banges Herz denkt immerfort: Kann es denn sein, kann es denn sein, Daß er so ganz vergessen mein? Am Berg sind Eichen dicht und groß, Fünf Ulmen sind im Tales Schoß. Noch seh' ich nicht den hohen Mann; Mein banges Herz ist freudelos. Kann es denn sein, kann es denn sein, Daß er so ganz vergessen mein? Waldkirschen sind am Berges Saum, Im Tale steht der Holzbirnbaum. Noch seh' ich nicht den hohen Mann; Mein banges Herz ist wie ein Traum. Kann es denn sein, kann es denn sein, Daß er so ganz vergessen mein?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 216. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 37f. -
Chen gong 臣工: Zum Frühlingsopfer (Anonymous (Shijing))
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Auf, auf, Minister und Bestallte, Nehmt wahr was eures Amtes ist! Der König gab euch volle Weisung; Erwägt sie denn! bedenkt sie denn! Auf, auf, ihr Ackerbau-Gehülfen! Nun ist des Frühlings Ende da. Was ist denn nunmehr aufzusuchen? Wie steht's um Neubruch? Dreijahrsland? O, herrlich stehen Gerst' und Weizen. Einholen werden wir die Pracht. Der lichtgeschmückte Höchste Herr Verlieh darin ein reiches Jahr. Gebietet unsern Leuten allen, Bereit zu halten Karst und Hacke; Bald sehen wir der Sicheln Schnitt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 477. -
Chi xiao 鴟鴞: Des Tscheu-Fürsten Eulenlied (Anonymous (Shijing))
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Du Eule, o du Eule du! Schon hältst du meine Jungen fest; Zerstöre nicht mein ganzes Nest! Sie pflegt' ich, sie umklammert' ich, Der aufgenährten Jungen jammert mich. Bevor am Himmel schwarz die Regenwolken hingen, Sah man mich Maulbeerfasern bringen Und fest um Thür und Fenster schlingen. Und jetzt, du niedriges Geschlecht, Wagt Einer Schmach auf mich zu bringen? Mein' Klau'n erkrallten allestund, Wo ich ein Hälmlein fassen kunnt' Wo ich nur einzusammeln fund, Bis mir der Schnabel völlig wund. Ich sprach: Ich habe noch nicht fest des Hauses Grund. Nun sind die Schwingen mir verheert, Nun ist der Schweif mir weggezehrt, Gefahr ist in mein Haus gekehrt, Das Wind und Regenfluth durchstürmt, durchfährt; Mir bleibt nur noch ein Klagelied gewährt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 242f. -
Chou mou 綢繆: Vereinigung eines glücklichen Paares (Anonymous (Shijing))
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Sie: Fest schnüret man Holzbündel an; Das Drei-Gestirn steigt himmelan. O dieser Abend, welch ein Abend! Da seh' ich ihn, den guten Mann. O meines Glücks! o meines Glücks! Wo giebt es denn noch solchen guten Mann? Beide: Fest schnüret man Heubündel ein; Das Drei-Gestirn blinkt schräg herein. O dieser Abend, welch ein Abend! Seh'n wir ein solches Stelldichein! O unsres Glücks! o unsres Glücks! Wo gab es je ein solches Stelldichein? Er: Fest schnüret man Dornbündel zu. Der Drei-Stern strahlt der Thüre zu. O dieser Abend, welch ein Abend! Ich sehe dich, du Schöne du! O meines Glücks! o meines Glücks! Wo giebt es solche Schöne noch wie du?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 200. -
Chu che 出車: Rückmarsch der Truppen nach Besiegung der Hian-jün (Anonymous (Shijing))
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Wir zogen aus mit unsern Wagen Dort auf der Heerden Weideplan. Her von des Himmelssohnes Stelle War uns zum Marsch Befehl gethan. Man rief herbei die Wagenlenker, Hieß sie die Wagen spannen an. Des Königs Dienst war höchlich dringend; Wol spornet er zum Eifer an. Wir zogen aus mit unsern Wagen Soweit die Stadtmark sich erstreckt. Das Schlangenbanner ward erhoben, Der Jakstierschweif ward aufgesteckt. Und Vogelbanner, Schlangenbanner, Wie flatterten sie nicht einher! Doch Kummer war in bangen Herzen, Die Wagenlenker sorgenschwer. Der König gab Nan-tschung Befehl, Zur Wehr sah man zieh'n die Wagen Und Drach'- und Schlangenbanner ragen. Der Himmelssohn gab uns Befehl, Zur Wehr des Nordlands fortzujagen; Und glorreich, glorreich war Nan-tschung: Die Hian-jün sind hinausgeschlagen. Vordem, da wir hinwegmarschirten, Die Hirse blühend erst sich bot; Nun, da wir heimwärts wieder ziehen, Nun fällt der Schnee, wir geh'n im Koth. Des Königs Dienst war höchlich dringend, Gönnt' uns die Rast nicht, die uns noth. Ob wir nicht dachten heimzukehren? – Wir scheuten jener Schrift Gebot. "Laut zirpt im Gras die Grille jung, Es hüpft die Heuschreck' hin im Sprung; Noch seh' ich nicht den hohen Mann; Mein armes Herz hat Grams genung. Könnt' ich erst seh'n den hohen Mann, Dann hätt' mein Herz Beruhigung." – O glorreich, glorreich ist Nan-tschung, Im Westen züchtigt er die Sjung. Nun ist der Frühling vorgerückt, Mit Laub ist Kraut und Baum geschmückt, Der gelben Vöglein Sang entzückt, Wermuth wird schaarenweis gepflückt. Mit Sträflingen, Gefangenhaufen Wird in die Heimath eingerückt; Denn glorreich, glorreich ist Nan-tschung: Nun sind die Hian-jün unterdrückt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 268-270. -
Chu ci 楚茨: Der große Opferdienst im Ahnentempel (Anonymous (Shijing))
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Wo wild Gesträuch verworren stand, Riß man die Dornen aus mit Händen; Warum ward das voreinst gethan? Daß unsre Hirsen Anbau fänden; Daß Hirs' uns reif' im Überfluß Und Opferhirse zum Verschwenden; Und wären unsre Speicher voll, Und tausend Feimen aller Enden, – Zu Speis' und Wein sie zu verwenden, Zur Darbringung, zu Opferspenden, Um hinzutreten, einzuladen, Noch größern Segen herzuwenden. Voll Würd' und Anstand geh'n wir fein, Mit Stieren und mit Widdern rein, Zum Herbst, und Winteropfer ein. Die häuten ab, Die kochen klein, Die richten zu, Die tragen ein. Der Beter opfert thürherein. Gar glänzend sind die Opferweih'n; Und herrlich zieh'n die Ahnen ein; Es freuen sich die Geisterreih'n; Sie lohnen ihm mit großem Segen, Sein Alter soll ohn' Ende sein. Am Herd' ist eifriger Verkehr, Gewalt'ge Trachten stellt man her; Der bratet und es röstet Der. Die hohen Frau'n gehn still einher, Und richten an der Schüsseln Heer. Die Fremden und die Gäst' umher Trinken sich zu in Kreuz und Quer. Man feiert ganz nach Brauchs Begehr; Lächeln und Wort sind schicklich sehr. Die Geister thun sich gnädig her, Und lohnen es mit großem Segen, Zehntausend Jahren und noch mehr. Sind wir ermattet ganz und gar, Da nichts am Brauch versäumet war, So kommt dem weisen Beter Kunde, Der giebt's dem frommen Enkel dar: "Süß roch des frommen Opfers Weise; Die Geister freute Trank und Speise. Sie fügen, daß dich Glück umkreise, Gehoffterweis', verdienterweise. Du zeigtest Eifer, bliebst im Gleise, Du thatst es recht, du sorgtest weise: Sie schenken dir das Höchst' im Preise Zehntausend-, hunderttausende." Erfüllt ist jeder Brauch zur Stunde, Es mahnten Glock' und Pauk' im Bunde, Der fromme Enkel ging zum Thron; Da kommt dem weisen Beter Kunde: "Satt ist des Weins der Geisterchor." Da steht der Todtenknab' empor. Ihn leiten Pauk' und Glock' hinaus; Die gnäd'gen Geister zieh'n nach Haus. Die Schaar der Diener und der Frauen Trägt alles ungesäumt hinaus. Die Oheim' aber und die Brüder Vereinigt ein besondrer Schmaus. Spielleute treten ein, mit Tönen Den Folgesegen zu verschönen; Und sind die Speisen aufgetragen, Fühlt Keiner Unlust, nur Behagen. Dann, satt von Speisen, satt vom Wein, Verneigt die Häupter Groß und Klein: "Die Geister werden, froh des Mahles, Lang Leben unserm Herrn verleih'n. Ganz willig, ganz zur rechten Zeit Erfüllt' er alles nach Gebühren. Ihr Söhn' und Enkel allzumal, Ermangelt nicht, es fortzuführen!"–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 347-349. -
Chu qi dong men 出其東門: Die einfache Einzige (Anonymous (Shijing))
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Da draußen vor dem Osterthor Sind Mädchen wie ein Wolkenzug; Doch ob sie wie ein Wolkenzug, Mein Sinn nimmt nicht dahin den Flug. Ein weißes Kleid, ein buntes Tuch, O sie erfreun mich allgenug. Da draußen vor dem Mauerthor Sind Mädchen wie ein Blumenflor; Doch ob sie wie ein Blumenflor, Mein Sinn ist nicht bei ihrem Chor; Ein weißes Kleid, ein rother Flor, Sie gehn mir allen Freuden vor.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 172. -
Chun zhi ben ben 鶉之奔奔: Schlimme Verwandtschaft (Anonymous (Shijing))
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Die Wachteln leben gleichgesellt, Die Eltern leben gleichgepaart. Der Mann ist nicht von guter Art, Der mir zum ältern Bruder ward. Die Eltern leben gleichgepaart, Die Wachteln leben gleichgesellt. Das Weib ist nicht von guter Art, Die mir als Fürstin ist gesellt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 120. -
Da che 大車: Warum sie nicht gekommen (Anonymous (Shijing))
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Mit Rasseln bracht' ein großer Wagen Ein schilfgrün Galakleid getragen. Wie hätt' ich deiner nicht gedacht? Furcht vor dem Herrn ließ mich's nicht wagen. Ein großer Wagen knarrend naht, Ein Galakleid drin wie Granat. Wie hätt' ich deiner nicht gedacht? – Furcht vor dem Herrn verbot den Pfad. Im Leben ist dein Haus nicht mein's, Im Tod ist unser Grab nur ein's. Du sagst, ich sei dir nicht getreu? Ich bin's, beim Licht des Sonnenscheins!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 151. -
Da dong 大東: Die vernachlässigten Ostlande (Anonymous (Shijing))
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Einst gab es Mahl' aus vollen Schüsseln, Die Dornholzlöffel bogen sich; Der Weg nach Tscheu dem Wetzstein glich, Er lief in pfeilgeradem Strich; Ihn schritten Herrn gar würdiglich, Der kleine Mann besah sie sich. Nun blick' ich rückwärts, denke deß, Und wein' und bad' in Thränen mich. In jedem Ostland, klein wie groß, Steh'n Spul' und Webstuhl nackt und bloß. Dünn sind die Schuh', aus Ko gewebt, Darin man kann beim Froste geh'n; Kann arbeitsscheue Fürstensöhne Des Wegs nach Tscheu hin wandern seh'n. Und schon ihr Gehen, schon ihr Kommen Macht mir das Herz von Weh' beklommen. Der kalten Quellen Überlauf Näss' uns nur nicht die Brennholzbeute! Vor Kummer wach' ich seufzend auf; O wehe, wir geschlagnen Leute! Gehauen stand die Brennholzbeute, Einfahren könnte man sie nun, – O wehe, wir geschlagnen Leute, Daß wir doch einmal könnten ruh'n! Der Ostgebiete Leute Söhne, Ihr harter Dienst bleibt unerkannt. Der Westgebiete Leute Söhne Geh'n angethan mit Prachtgewand. Der bloßen Schifferleute Söhne In reichen Bärenpelzen geh'n, Und der geringsten Leute Söhne In allen hundert Ämtern steh'n. Wenn Einer nimmt von seinem Wein, Hält er ihn nicht für starken Trank. Und sein besetztes Gurtgestein, Es dünket ihn nicht eben lang, Wol steht die Milchstraß' an dem Himmel Und blickt herab und schimmert blank; Des Dreigestirnes Weberinnen Zieh'n täglich sieben Grad' entlang – Doch ob auch sieben Grad' entlang, Sie schaffen nichts für schönen Dank. Der Zugstier, der da oben blinket, Zieht nicht an unserm Wagenstrang. Ob Morgenstern aus Osten drang; Ob Abendstern dem West entsprang; Ob lang das Hafennetz sich krümmet – Sie alle geh'n nur ihren Gang. Wol stehet da das Sieb im Süden, Mit dem zu sichten doch noch nie gelang. Wol steht die Schöpfekell' im Norden, Doch schöpfet man mit ihr nicht Wein noch starken Trank. Wol stehet da das Sieb im Süden, Das uns doch nur die Zunge bleckt, Die Schöpfekelle steht im Norden, Die ihren Griff nach Westen streckt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 336-338. -
Da ming 大明: König Wen's Bestimmung, von König Wu bethätigt (Anonymous (Shijing))
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Erleuchtung Leuchtender hienieden – Glorreiche Glorie in den Höh'n! Des Himmels Schluß ist schwer zu trauen, Und nicht ist's leicht, als König steh'n. Dem Erben von Jin's Himmelssitze, Ihm ließ er den Besitz des Reichs entgeh'n. Sjin war's, die zweitgebor'ne Tschi, Entstammt von Jin-Schang's Fürstenschaar, Die zur Vermählung kam nach Tscheu, Daß sie der Hauptstadt Fürstin war; Wo sie mit König Ki zusammen In Tugend wandelt' immerdar. Und als Thai-Sjin war schwanger worden, War's König Wen, den sie gebar. Und das war dieser König Wen, Der ehrfurchtsvoll, herzangelegen, So klar gedient dem Höchsten Herrn, Dass er empfangen großen Segen. In seiner Tugend war kein Fehl, Drum nahm er alle Land' entgegen. Des Himmels Obhut für's Hienieden Hatt' ihm das Amt schon zugedacht; Für König Wen in frühsten Jahren Auch die Genossin schon gemacht Im Norden von des Hia Gewässern Und an des Wei-Stroms Uferseit', Als König Wen ging auf die Freit', War dort des großen Landes Maid. Dort war des großen Landes Maid, Gleich einer Himmlischen an Zier. Als Brauch bestimmt den günst'gen Tag, Zog er zum Wei entgegen ihr. Er ließ die Brück' aus Schiffen bauen. War da nicht Herrliches zu schauen? Vom Himmel war das Amt verlieh'n, War Wen bestimmt zum Königsrang In Tscheu, in seiner Stadt Umfang. Und sie, die Erbin war von Sin, Die Erstgebor'ne, that den Gang, Von welcher König Wu entsprang, Beschützt, geholfen und berufen Zum Kampfe mit dem großen Schang. Der Jin-Schang Heeresmacht zum Streite, Die wie ein Wald versammelt war, Ward aufgestellt auf Mu's Gebreite. Wir aber traten freudig dar: "Der Höchste Herr ist dir zur Seite; Dein Herz sei jedes Zweifels bar!" Das Feld von Mu lag weit entlang, Die Sandelwagen blitzten blank, Der Schimmelspanne Stampfen klang. Da war der Heeresfürst Schang-fu Ein Adler, welcher sich erschwang Und König Wu zu Hülfe drang. Stracks warfen sie das große Schang. Schlachtmorgen –: Lichtes Überschwang!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 392-394. -
Da shu yu tian 大叔于田: Prinz Schu als Wagenlenker und Jäger (Anonymous (Shijing))
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Schu ist zum Jagen aus, Er fährt sein Viergespann, Hält Fäden gleich die Zügel an, Die Außenrosse tanzen dran. Schu ist im wilden Bruch; Feuer und Flammen sprühen hinan; Nacktarmig packt er den Tiger an, Und bringt ihn vor den Fürsten dann. Schu, stelle das nicht nochmals an! Meid's, daß er dich zerfleischen kann! Schu ist zum Jagen aus, Er fährt den Salbenzug, Gleich sind die Deichselroß' am Bug, Die Außenroß' im Kranichflug. Schu ist im wilden Bruch; Feuer und Flammen lodern g'nug; Wie schießt da Schu so prächtig, ah! Wie lenkt er dann so mächtig, ah! Wie treibt er an, wie hält er, ah! Wie zielet er, wie schnellt er, ah! Schu ist zum Jagen aus, Vier Apfelschimmel vor; Die innern gleich mit Kopf und Ohr, Die äußern stellen Hände vor. Schu ist im Bruch und Moor; Feuer und Flammen sprüh'n empor. Schu's Rosse geh'n gelassen, ah! Schu will mit Schießen passen, ah! Den Köcher abgezogen, ah, Verschließt er seinen Bogen, ah!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 156f. -
Da tian 大田: Gleichfalls landwirthschaftlich (Anonymous (Shijing))
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Das Feld ist groß, der Einsaat viel; Und ist's vertheilt, gemacht der Plan, Ist vorgekehrt, so geh'n wir dran, Und unsrer Pflüge scharfer Zahn Hebt sein Geschäft beim Südfeld an. Wir säen drein von allen Früchten; Und sprossen und gedeih'n sie drin, So ist's nach des Urenkels Sinn. Wenn sie sich ähren, wenn sie lasten, Hart werden, gut von Eigenschaften, Nicht Lolch noch Unkraut drin behaften, Sucht man das Ungeziefer ab, Von Keim und Wurzel, Schoß und Stab, Daß unsrer jungen Saat kein Schaden drohe; Des Ackerbaues Ahn, der Geist, Ergreift und wirft's in Feuers Lohe. Und steigt ein dicht Gewölk heran, So hebt ein milder Regen an; Und regnet's auf des Fürsten Äcker, So kommt's auch auf die unsern dann! Da sind dann Halme, nicht geholt zur Ernte, Hier sind dann Büschel, die man nicht entfernte, Dort ließ man Händevoll zurück, Und hier sind liegenbliebne Ähren, Daß sie den Wittwen zu Gewinne wären. Und der Urenkel kommt daher, – Indeß der Frau'n und Kinder Heer Zum Südfeld bringt die Speisen her; Froh naht der Vogt der Ackerer; – Er kommt geweiht, den Weltrevieren Mit rothen und mit schwarzen Thieren, Mit seinen Hirsen nach Gebüren Zu opfern, zu sacrificiren, Und noch mehr Glück herbeizuführen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 354f. -
Dang 蕩: Warnungen an König Li (Anonymous (Shijing))
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Erhaben ist der Höchste Herr, Des Untervolks Obwaltender. Erschrecklich ist der Höchste Herr, Deß Will' ist nicht verläss'ge Spende. Es mangelt nie beim Anbeginn, Doch Wenige besteh'n am Ende. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang, Wo solche grausame Bedrücker, Wo solche harte Zinseinpfänder; Wo solche hoch in Würden steh'n, Wo solche walten deiner Länder! Der Himmel schuf die Tugendschänder, Doch du bist ihrer Vollmacht Spender. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang! Du hältst als Leute guter Sinnen Tyrannen, die nur Haß gewinnen, Die dich mit Redefluß umspinnen Und Dieb' und Räuber sind da drinnen. Drum das Verfluchen, das Verschwören Ohn' alle Gränz', ohn' aufzuhören. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang! Du blähst dich übermüthig in der Landesmitte, Und Haß zu ernten dünkt dir Tugendsitte. Du kennst nicht deine Tugendsitte, Drum fehlet, der dir nach und mit dir schritte; Kennst deine Tugendsitte nicht, Drum Helfer und Berather dir gebricht. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang! Der Himmel ist es nicht, der dich mit Wein berauscht, Und dich verführt zu Ärgerniß; Du bist's, der sich der Zucht entriß, Nicht achtet Licht noch Finsterniß, Und bei Geschrei und Jauchzen macht Das helle Tageslicht zur Nacht. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang! Es ist wie wirrer Grillenanfang, Wie Sprudelbrüh' im Siededrang; Und Klein und Groß naht Untergang, Und doch zieh'n Jene stets denselben Strang. Inwendig wächst der Grimm im Mittellande, Bis zum Dämonenland entlang. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang! Nicht kommt vom Höchsten Herrn die böse Zeit: Jin läßt das Alterthum beiseit. Und hat es auch nicht alterfahr'ne Männer, So hat es doch Gesetz und Lehren; Allein es will auf sie nicht hören; Das wird sein großes Amt zerstören. Der König Wen sprach: Wehe dir, O, wehe dir, du Jin und Schang! Die Leute haben einen Spruch: "Wo etwas sich zum Fallen kehrt, Und Zweig' und Blätter sind noch unversehrt, Da ist die Wurzel schon zerstört." Jin hat den Spiegel nah' genug; Die Zeit der Herrscher Hia's hat ihn gewährt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 432-434. -
Di dong 蝃蝀: Leichtfertige Mädchen (Anonymous (Shijing))
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Wenn der Regenbogen im Osten steht, Wagt's keiner und zeigt mit Fingern darauf. Und geht ein Mädchen seines Wegs, So giebt es Ältern und Brüder auf. Und steigt er Morgens in Westen auf, So ist mit dem Morgen der Regen vorbei. Und gehet ein Mädchen seines Wegs, So macht es von Ältern und Brüdern sich frei. Ist aber Eine dergleichen dann, Die nur an das Heirathen denken kann, Der kommt's auf Treue gar wenig an, Und kein Gebot erkennet sie an.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 123. -
Di du "You di zhi du, qi ye xu xu" 杕杜 "有杕之杜,其葉湑湑": Der Bruderlose (Anonymous (Shijing))
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Es steht ein Sorbenbaum allein, Ob Laub im Übermaß auch sein. Vereinsamt, freundlos schreit' ich drein. – Und gäb' es denn nicht andre Menschen? – Doch Keinen, der von Vaters wegen mein! O all' ihr Wandrer auf den Straßen, Warum gesellt sich keiner mir? Ich bin ein Mensch ja ohne Bruder; Warum ach hilft nicht Einer mir? Es steht ein Sorbenbaum allein, Ob auch von Laubesmenge schwer. Vereinsamt schreit' ich, liebeleer. – Und gäb' es denn nicht andre Menschen? – Doch Keinen, der da mein von Hause wär'! O all' ihr Wandrer auf den Straßen, Warum gesellt sich Keiner mir? Ich bin ein Mensch ja ohne Bruder; Warum ach hilft nicht Einer mir?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 201. -
Di du "You di zhi du, you huan qi shi" 杕杜 "有杕之杜,有睆其實": Sehnsucht der Frauen nach der Rückkehr der Krieger aus dem Feldzuge gegen Hian-jun (Anonymous (Shijing))
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Ein Sorbenbaum steht fern den Bäumen, Mit Früchten herrlich anzuseh'n. Des Königs Dienst will kein Versäumen, Und unsre Tage geh'n und geh'n. Im zehnten Mond sind Mond' und Sonnen, Der Frauen Herz hält Gram umsponnen: O wär' der Krieger Zeit verronnen! Ein Sorbenbaum steht fern den Bäumen Mit Laub in voller Üppigkeit. Des Königs Dienst will kein Versäumen, Und unser Herz ist weh vor Leid. Ob Kraut und Baum sich grün verbrämen, Die Frauenherzen sind voll Grämen: O daß die Krieger wiederkämen! Wir stiegen auf den Berg im Norden, Da sammelten wir Mispeln ein. Des Königs Dienst will kein Versäumen, Und unsre Eltern leiden Pein. Wol Sandelwagen sind zerrieben, Wol Hengstgespanne abgetrieben, Doch nicht die Krieger fern geblieben. Nicht packen sie, nicht kommen sie! Gar tiefbetrübt sind unsre Herzen. Die Zeit ist um, sie sind nicht hie, Und größer werden unsre Schmerzen. Schildkröt' und Schikraut stimmen ja Und sagen beide, sie sind nah. O bald sind unsre Krieger da!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 271f. -
Ding zhi fang zhong 定之方中: Lob des Fürsten Wen von Wei (Anonymous (Shijing))
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Der Ting-Stern trat dem Hochpunkt zu, Da baut' er den Palast in Thsu; Den Stand der Sonne prüft' er aus, Und baute sich in Thsu das Haus, Pflanzt' Haseln und Kastanien aus, Auch Ji-, Thung-, Tse-, und Firniß-Baum, Zu schnitzen Laut' und Harfe draus. Er stieg auf jene Trümmerhöhn, Um gegen Thsu hinauszusehn; Er sah hinaus auf Thsu und Thang, Das Hochgebirg, der Hügel Hand, Nahm zu den Maulbeern seinen Gang, Befrug das Loos, und günstig war's; Darnach denn ächtes Wol entsprang. Und nach ergieb'gem Regenguß, Zum Wagenlenker er begann: Beim Sternlicht spann' im Frühsten an, Und halt' im Maulbeerfelde dann! – Und nicht nur also that der Mann; Sein Herz hielt fest und ernstlich dran; Dreitausend Stuten er gewann.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 121f. -
Dong fang wei ming 東方未明: Unzeitige Geschäftigkeit des Fürsten (Anonymous (Shijing))
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Bevor es noch im Osten klar, Verkehrt' ich in die Kleider fahr', Hier überquer, dort umgekehrt, Weil mein bereits der Fürst begehrt. Bevor's im Osten dämmern kann, Werf' ich verkehrt die Kleider an, Hier umgekehrt, dort überquer, Denn schon berief der Fürst mich her. Umzäunt man Gärten nur mit Weiden, Wird auch ein Schwachkopf scheu sie meiden. Wer Tag und Nacht nicht weiß zu scheiden, Fehlt, wenn nicht früh, dann spät an beiden.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 179. -
Dong fang zhi ri 東方之日: Zuthulichkeit und Scheu (Anonymous (Shijing))
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Wenn im Osten wird die Sonne wach, O welch allerliebstes Mädchen Ist in meinem Wohngemach! Ist's in meinem Wohngemach, Spürt's nach mir und kommt mir nach. Wenn im Osten tritt der Mond herfür, O welch allerliebstes Mädchen Ist dann binnen meiner Thür! Ist's dann binnen meiner Thür, Spürt's nach mir und flieht von mir.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 178. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 37. -
Dong men zhi chi 東門之池: Die Gescheidte (Anonymous (Shijing))
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Gräben an dem Osterthore Können Hanf zum Rösten bringen. Jene holde, gute Schöne, Herrlich weiß sie uns zu singen. Gräben an dem Osterthore Können Nesseln röstend spalten. Jene holde, gute Schöne, Herrlich kann sie unterhalten. Gräben an dem Osterthore Lassen Fasergras zergehen. Jene holde, gute Schöne, Herrlich kann sie Rede stehen!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 223. -
Dong men zhi fen 東門之枌: Getäuschte Neigung (Anonymous (Shijing))
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An dem Osterthor sind Ulmen, Auf dem Juan-Gebirg sind Eichen, Und des Tse-tschung schöne Tochter Tanzt darunter ohne Gleichen. That den schönen Tag erküren Für den freien Platz in Süden, Nicht um sich beim Hanf zu rühren, Nein, den Reigen anzuführen. Schönen Tag, um auszustreifen, Mit der Meng' umherzuschweifen! – Sah in dir die Malvenrose –: Reicht sie mir die Pfefferdose!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 221. -
Dong men zhi shan 東門之墠: Abwesenheit (Anonymous (Shijing))
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An des Osterthores Breite Blüht der Krapp dem Wall zur Seite. Ach das Haus, da ist es nah, Doch sein Herr ist in der Weite. Bei des Thors Kastanien drauß' Stehn gereihet Haus an Haus. Wie gedächt' ich da nicht deiner? Doch du trittst mir nicht heraus.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 168. -
Dong men zhi yang 東門之楊: Getäuschte Erwartung (Anonymous (Shijing))
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Die Weiden an dem Osterthor Die steh'n in vollem Blätterflor. Auf Abend war die Zeit bestimmt, – Nun strahlt der Morgenstern hervor. Die Weiden an dem Osterthor Die steh'n in vollem Blätterkranz. Auf Abend war die Zeit bestimmt, – Nun strahlt der Morgenstern mit Glanz.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 224. -
Dong shan 東山: Die Heimkehr der Truppen von des Tscheu-Fürsten Feldzuge gegen die Empörer (Anonymous (Shijing))
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Wir zogen nach des Ostens Bergen, Lang', lange sonder Wiederkehr. Da wir vom Osten kamen wieder, Da fiel der Regen strömend nieder. – Als man im Osten rief zur Kehr, Schmerzt' uns das Herz nach Westen sehr. Wir stellten Röck' und Kleider her; Kein Dienst erzwang die Reihen mehr. Ein Wimmeln war's, wie Raupen machten, Wo sich ein Maulbeerfeld erstreckt. Dann gab's ein still und einsam Nachten, Nur von den Wagen überdeckt. Wir zogen nach des Ostens Bergen, Lang', lange sonder Wiederkehr. Da wir vom Osten kamen wieder, Da fiel der Regen strömend nieder. – "Des wilden Kürbiß Früchte klammern Sich wol an unser Dach empor; Die Asseln sind in unsern Kammern, Und Spinnenweben in dem Thor; Die Hirsche weiden auf den Wiesen, Glühwürmer schimmern über diesen" – Wol konnte Furcht uns kränken so, Es war ja wol zu denken so! Wir zogen nach des Ostens Bergen, Lang', lange sonder Wiederkehr. Da wir vom Osten kamen wieder, Da fiel der Regen strömend nieder. – Vom Ameisberg der Kranich schrie; Die Frau, im Hause seufzte sie, Wusch, fegte, stopfte jede Fuge. Da kehrten wir von unserm Zuge. Die Bitterkürbiss' hingen voll, Die in Kastanienästen waren, Von unsern Augen nicht erblickt Bis diesen Tag seit dreien Jahren. Wir zogen nach des Ostens Bergen, Lang', lange sonder Wiederkehr. Da wir vom Osten kamen wieder, Da fiel der Regen strömend nieder. – Nun fliegt das gelbe Vögelein Und schimmernd glänzen seine Flügel. Die Jungfrau zieht zur Hochzeit ein, Und Füchs' und Schecken lenkt der Zügel. Die Mutter band die Schärp' ihr an, Neun-, zehnfach ist ihr Schmuck gethan. Das Frische lockt gar lieblich an; Das Alte – was reicht da hinan?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 244-246. -
Du ren shi 都人士: Die besseren Zeiten vor Verlegung der Residenz (Anonymous (Shijing))
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Ach jener Königsstadt Beamte, Mit gelbem Fuchspelz angethan, Mit ihrer wandellosen Haltung, Mit Worten fein und lobesan! – O ging' es doch zurück nach Tscheu, Wohin die Völker alle sah'n! Ach jener Königsstadt Beamte Mit schwarzer Haub' und Hut von Bast; Und jene hochgebor'nen Frauen Mit vollem Haar, so schlicht gefaßt! – O daß ich sie nicht mehr erblicke! Unlust ist meines Herzens Gast. Ach jener Königsstadt Beamte, Mit Ohrbehang von Edelstein; Und jene hochgebor'nen Frauen, Die Jin und Ki nur konnten sein! – O daß ich sie nicht mehr erblicke – Wie schnüret es das Herz mir ein! Ach jener Königsstadt Beamte, Mit Hängegürteln lang und schön; Und jener hochgebor'nen Frauen Skorpionengleiches Lockendreh'n! – O daß ich sie nicht mehr erblicke! Wie wollt' ich weit nach ihnen geh'n! Sie brauchten jene nicht zu längen, Die Gürtel reichten weit hinaus. Sie brauchten diese nicht zu kräuseln, Die Haare waren selbst schon kraus. O daß ich sie nicht mehr erblicke! Wie sehnlich schau' ich darnach aus!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 374f. -
Er zi cheng zhou 二子乘舟: Ahnung von verbrecherischen Thaten (Anonymous (Shijing))
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Zwei Prinzen stiegen in die Schiffe, Schon ist ihr Schatten fortgegangen. Der Prinzen denk' ich sehnsuchtvoll, Im tiefsten Herzen ahnend Bangen. Zwei Prinzen stiegen in die Schiffe, Schon sind sie ihres Wegs geschwommen. Der Prinzen denk' ich sehnsuchtvoll; Sie sind doch nicht in Unglück kommen?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 115. -
Fa ke 伐柯: Richtig gewählte Vermittlung (Anonymous (Shijing))
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Wer Beilstiel' haut, wie fängt er's an? Nicht ohne Beil bringt er's dahin. Nimmt man ein Weib, wie fängt man's an? Man kriegt's nicht ohne Werberin. Wer Beilstiel' haut, wer Beilstiel' haut, Der hat das Maß dazu nicht weit. Ich sehe die erwählte Braut, Und Körb' und Schaalen steh'n bereit.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 248. -
Fa mu 伐木: Zur Bewirthung von Freunden (Anonymous (Shijing))
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Man fället Holz mit lautem Klang. Das Vöglein singt gar süßen Sang, Es fliegt aus tiefen Thales Raum Und schwingt sich auf den höchsten Baum, Und seiner Stimme süßer Sang Lockt die Genossen mit dem Klang. O sehen wir das Vögelein Genossen locken mit dem Klang, Um wieviel mehr denn lockt der Mensch Nicht Freunde her mit sanftem Zwang! Wenn das zum Ohr der Geister drang, Kommt Fried' und Eintracht stets in Schwang. Man fället Holz und stöhnt darein. Hell ist mein abgeklärter Wein, Bereit ein fettes Lämmelein, Drauf lud ich all' die Öhme ein; Und kämen sie auch etwa nicht, Nicht ich darf unvorbereitet sein. Frisch ist gescheuert und gefegt, Acht Schüsseln voll sind vorgelegt, Bereit ein Widder, wolgepflegt. Ich lud, was Schwähers Namen trägt; Und kämen sie auch etwa nicht, Nicht ich darf's sein, den Tadel schlägt. Man fället Holz am Bergesfuß. An starkem Wein ist Überfluß, Die Schüsseln steh'n, wo jede muß, Kein Bruder fehlet beim Genuß. Nur Volk, das nichts von Güte weiß, Erregt bei trocknem Mahl Verdruß. Ich habe Wein, den kläret' ich, Gekauften sonst bescheret' ich; Den Schall der Pauken nähret' ich, Den Schritt zum Tanze kehret' ich; - Und da uns nun gewähret ist, So trinket, was gekläret ist.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 261f. -
Fa tan 伐檀: Der schwelgerische und habgierige Müssiggänger im hohen Amte (Anonymous (Shijing))
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Wer unter Stöhnen Sandelholz gefällt Und an dem Uferrand des Flusses aufgestellt, Dem strömt des Flusses Wasser klar und sanftgewellt. Du säest nicht, du erntest nicht: Wie kriegst du denn die Früchte von dreihundert Hufen Geld? Du jagest nicht, erlegest nicht: Wie seh'n wir denn die Dachse da gehängt an deines Saals Gezelt?- O was ist der ein edler Mann, Der nicht nach Muße Mahlzeit hält! Wer unter Stöhnen Speichenholz gemacht Und an dem Ufersaum des Flusses aufgefacht, Dem strömt des Flusses Wasser klar und wallet sacht. Du säest nicht, du erntest nicht: Was hat dir denn die drei Millionen Büschel Frucht gebracht? Du jagest nicht, erlegest nicht: Was seh''n wir denn in deinem Saal da hängen von der Eberjagd? - O was ist der ein edler Mann, Der nicht nach Muße Mittag macht! Wer unter Stöhnen Felgenholz gespleißt Und aufgebaut am Strande, den der Fluß umkreist, Dem strömt des Flusses Wasser klar und sanft begleißt. Du säest nicht, du erntest nicht: Wie kriegst du denn die Frucht, die du dreihundert Speichern leihst? Du jagest nicht, erlegest nicht: Wie sehen wir die Wachteln denn, die aufgehängt dein Saal uns weist? - O was ist das ein edler Mann, Der nicht in Müßiggange speist!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 192f. -
Fang luo 訪落: König Tschhing's Gebet an seinen Vater (Anonymous (Shijing))
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Bei meinem Antritt sinn' ich d'rauf, Dem Hochverklärten nachzuwandeln; Doch o, wie weit hat er's gebracht! Und ich bin dem noch nicht gewachsen. Ihm nachzukommen tracht' ich wol, Doch führ' ich's weiter wie zerstückelt. Ich bin nur noch ein kleines Kind, Noch nicht gerecht des Hauses Schwierigkeiten. - Stets im Palast steig' auf und ab, Geh' aus und ein in diesem Hause, Du Herrlicher, du Hochverklärter, Um hier mich zu beschirmen, zu erleuchten!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 488. -
Fang you que chao 防有鵲巢: Entfremdung des Geliebten (Anonymous (Shijing))
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Aglasternester sind am Deich, Am Hügel Erbsen zart und weich. Wer reizte meinen Holden auf? Mein Herz, wie ist es schmerzenreich! Am Tempelweg ist Ziegelstein, Am Hügel Goldklee, zart und fein. Wer reizte meinen Holden an? Mein Herz, wie ist es voller Pein!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 226. -
Fei feng 匪風: Klage über den Verfall der Königsmacht von Tscheu (Anonymous (Shijing))
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O es ist nicht der Winde Sausen, O es ist nicht der Wagen Brausen, - Ich schau' hinaus des Wegs nach Tscheu, Und fühle Weh im Herzen hausen. O es ist nicht der Winde Schwärmen, O es ist nicht der Wagen Lärmen - Ich schau' hinaus des Wegs nach Tscheu, Und muß mich tief im Herzen härmen. Wer ist, der Fische kochen kann? Ich will ihm seinen Kessel scheuern. Wer ist, der will nach Westen geh'n? Ich will ihm gute Worte steuern.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 233. -
Fen ju ru 汾沮洳: Der ungeeignete Hofbeamte (Anonymous (Shijing))
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Dort in dem nassen Sumpf des Fen Sieht man sie Ampfer pflückend geh'n. Und Der, o freilich, dieser Herr Ist außer Maaßen schön; Doch, außer Maaßen schön, Taugt Fürstenwagen er nicht vorzusteh'n. Dort wo dem Fen ein Ufer ward, Da pflückt man Maulbeerblätter zart. Und Der, o freilich, dieser Herr Ist schön in Blüthenart, Doch, schön in Blüthenart, Taugt er als Ordner nicht zur Fürstenfahrt. Dort wo der Fen sich biegt hinein, Sammeln sie Wasserweg'wart ein. Und Der, o freilich, dieser Herr Ist schön wie Edelstein; Doch, schön wie Edelstein, Taugt er doch nicht, am Fürstenhof zu sein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 188. -
Feng 豐: Reue (Anonymous (Shijing))
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Wie war's ein Herr voll Trefflichkeiten, Der mich erwartet' an der Gasse Seiten; Wie reut's, daß ich ihn nicht gewollt begleiten. Wie war's ein Herr von bestem Range, Der mich erwartet' an dem Vorhofgange; Wie reut's, daß ich nicht hinging zum Empfange. Nun birgt ein Mantel meine Zier, Mein Prachtgewand deckt einfach Kleid. O Herr, o Freund, ich bin mit dir Im Wagen fortzugehn bereit. Mein Prachtgewand deckt einfach Kleid, Es birgt ein Mantel meine Zier. O Herr, o Freund, im Wagen hier Fahr' ich zur Hochzeit fort mit dir.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 167. -
Feng nian 豐年: Dank für reiche Ernte (Anonymous (Shijing))
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Reich ist das Jahr an vieler Hirse, vielem Reis, So daß wir in den hohen Speichern Zehn, hundert, tausend Tausend schauen. Nun laßt uns Wein und Süßwein brauen, Zu opfern Ahnherrn und Ahnfrauen Mit all den Bräuchen, drauf wir trauen. Des Segens viel ward unsern Auen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 480. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 234. -
Feng yu 風雨: Des Gemahls glückliche Heimkehr (Anonymous (Shijing))
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Mag Wind und Regen frostig sein, Der Hahn sein Kikrikih auch schrein; Nun ich den hohen Mann gesehn, Wie sollt' ich nicht zufrieden sein? Mag Wind und Regen sausend wehn, Der Hahn sein Kikrikih auch krähn; Nun ich den hohen Mann gesehn, Wie sollte mir's nicht wol ergehn? Ob Wind und Regen Dunkel droh', Der Hahn auch kräh' ohn' Ende so; Nun ich den hohen Mann gesehn, Wie wär' ich nicht von Herzen froh?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 169. -
Fou yi 芣苢: Lied der Wegerichpflückerinnen (Anonymous (Shijing))
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Pflücket, pflücket Wegerich, Eija zu, und pflücket ihn! Pflücket, pflücket Wegerich, Eija zu, ihr rücket ihn. Pflücket, pflücket Wegerich, Eija zu, ergreifet ihn! Pflücket, pflücket Wegerich, Eija zu, entstreiset ihn! Pflücket, pflücket Wegerich, Eija zu, nun packt ihn ein! Pflücket, pflücket Wegerich, Eija zu, nun sackt ihn ein!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 73. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 35. -
Fu tian "Wu tian fu tian" 甫田 "無田甫田": Nach Versagtem trachten bringt Leid; Alles kommt zu seiner Zeit (Anonymous (Shijing))
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Ackre nicht zu große Äcker, Sonst wird Unkraut überwiegen; Denke nicht an ferne Menschen, Sonst wird Gram dein Herz besiegen. Ackre nicht zu große Äcker, Sonst wird Unkraut hoch sich mehren; Denke nicht an ferne Menschen, Sonst wird Gram dein Herz verzehren. Mag der Knab' es zierlich finden, Körnern gleich sein Haar zu winden; Eh' man's denkt, erscheint der Gute Aufgeschlossen und im Hute.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 182. -
Fu tian "Wu tian fu tian" 甫田 "無田甫田": Weisheit und Rat "Ackre nicht zu große Äcker" (Anonymous (Shijing))
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Ackre nicht zu große Äcker, Sonst wird Unkraut überwiegen; Denke nicht an ferne Menschen, Sonst wird Gram dein Herz besiegen.–
in: Oehlke, Waldemar (ed.). Seele Ostasiens. Chinesisch-japanischer Zitatenschatz. Berlin: F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 1941. p. 26.
Excerpt of the first stanza of the original poem. Note also von Strauß' full translation under the title "Nach Versagtem trachten bringt Leid; Alles kommt zu seiner Zeit" in his book "Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Cinesen". -
Fu tian "Zhuo bi fu tian" 甫田 "倬彼甫田": Landwirthschaftliches (Anonymous (Shijing))
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Weit streckt das schöne Feld sich dar, Das tausend Zehnten bringt im Jahr. Ich nehme was deß übrig war Und speise meine Bauernschaar. Hier gab's von je ein gutes Jahr. Zur Südflur schreit' ich nun hinan; Da gäten sie und häufeln an. Die Hirse wuchs, so dicht sie kann; Und wo man weilt, wo Rast begann, Treib' ich die Vorarbeiter an. Mein Opferkorn hab' ich geweiht Sammt Widdern von Untadligkeit Der Erd' und jeder Himmelsseit'; Mein' Äcker steh'n in Üppigkeit, Daß sich der Landmann ihrer freut. Mit Harfen, Lauten, Paukenschlägen Geh'n wir des Feldbau's Ahn entgegen, Um zu erbitten süßen Regen, Zu mehren unsern Hirsensegen, Des Wohlergehn's von Mann und Weib zu pflegen. Und der Urenkel kommt daher, Indeß der Frau'n und Kinder Heer Zum Südfeld bringt die Speise her. Froh naht der Vogt der Ackerer, Nimmt links von der und rechts von der Und kostet, ob sie schmackhaft wär'- Der Fruchtanbau im Feld umher Ist trefflich und ergiebig sehr. Deß zürnet der Urenkel nicht; Das reizt des Landmanns Fleiß noch mehr. Steh'n dichte des Urenkels Saaten Wie Strohdach, wie Verdeck' am Wagen, So ragen des Urenkels Schober, Wie Inseln und wie Hügel ragen. Dann wird er wol nach tausend Speichern fragen, Dann wird er suchen nach zehntausend Wagen. Was Hirsen, Reis und Mais getragen, Erfüllt den Landmann mit Behagen: - "Nun sei belohnt mit großem Heil, Mit gränzenlosen Lebenstagen!"–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 352f. -
Fu yi 鳧鷖: Beim Mahle zu Ehren des Todtenknaben am Schlusse des Opferfestes (Anonymous (Shijing))
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Wild-Enten sind am Kingstrom weit; Der Todtenknabe schmauset in Zufriedenheit. Dein Wein hat klare Lauterkeit, Und deiner Speisen Duft erfreut. Der Todtenknabe schmaust und trinkt, Und Heil und Glück ist vollbereit. Wild-Enten die sind auf dem Sand; Der Todtenknabe schmauset, wie sich's billig fand. Dein Wein ist reichlich bei der Hand, Die Speisen sind von Wolbestand. Der Todtenknabe schmaust und trinkt, Und Heil und Glück sind zugesandt. Wild-Enten die sind auf dem Werd; Der Todtenknabe schmauset wie sein Herz begehrt. Dein Wein ist trefflich abgeklärt, Die Speise wolzerlegt gewährt. Der Todtenknabe schmaust und trinkt, Und Heil und Gück herniederfährt. Wild-Enten sind im Zuflußthal; Der Todtenknabe schmaust an seinem Ehrenmahl. Geschmauset wird im Ahnensaal, Wo Heil und Glück sich senkt zuthal. Der Todtenknabe schmaust und trinkt, Und Heil und Glück kommt ohne Zahl. Wild-Enten sind am engen Wehr; Der Todtenknabe ruhet fröhlich nach Begehr. Der edle Wein ist köstlich sehr, Rostfleisch und Braten durften her. Der Todtenknabe schmaust und trinkt, Und hat nun keine Mühen mehr.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 417f. -
Fu you 蜉蝣: Der leichtsinnige Stutzer (Anonymous (Shijing))
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Der Eintagsfliege Flügelkleid Ist ein Gewand voll Herrlichkeit. Mein Herz ist voller Kümmerniß; Käm' er zu mir, er blieb' allzeit. Der Eintagsfliege Schwingenstand Ist ihr ein prächtiges Gewand. Mein Herz ist voller Kümmerniß; Käm' er zu mir, da hielt' er Stand. Die Eintagsflieg' entschlüpft wol eh', Ihr Hanfgewand ist wie der Schnee. Mein Herz ist voller Kümmerniß; Käm' er zu mir, er dauerte.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 234. -
Gan mao 干旄: Bewillkommnung eines hohen Beamten (Anonymous (Shijing))
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Hoch ragt des Banners Jaktierschweif, Und ist vor Siün am Gränzenstreif; Weißseidne Band' umschnüren es, Vier Prachtgespanne führen es; Und jener ausgewählte Herr, Wie lohnt er nach Gebühren es? Hoch ragt des Banners Vogelfahn' Und kommt zur Vorstadt Siün's heran; Weißseidne Band' umschließen es, Fünf Prachtgespanne grüßen es; Und jener auserwählte Herr, Womit wird er versüßen es? Hoch ragt des Banners Federnprunk, Und ist in Siün's Ummauerung; Weißseidne Band' umranken es, Sechs Prachtgespann' umflanken es; Und jener auserwählte Herr, Womit kann er verdanken es?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 125. -
Gan tang 甘棠: Liebevolles Andenken des Volks an einen guten Fürsten (Anonymous (Shijing))
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Den schattenreichen Sorbenbaum, - Nicht hauet ihn, nicht ihn zerkeilt! Schao's Vater hat an ihm geweilt. Den schattenreichen Sorbenbaum, - Nicht hauet ihn, kein Leid ihm thut! Schao's Vater hat an ihm geruht. Den schattenreichen Sorbenbaum, - Nicht hauet ihn, beugt keinen Ast! Schao's Vater war bei ihm zu Rast.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 82. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 230. -
Gao qiu "Gao qiu bao qu" 羔裘 "羔裘豹袪": Klage über einen harten Hofbeamten (Anonymous (Shijing))
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Der Lämmerpelz mit Pardelkragen Ward von uns Leuten mit Geduld ertragen. Doch hast du keinen Anderen? 's ist deinetwegen, daß wir's sagen. Der Lämmerpelz mit Pardelblegen Ward von uns Volk gelitten ohn' Erregen. Doch hast du keinen Anderen? Wir sagen es nur deinetwegen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 202. -
Gao qiu "Gao qiu ru ru" 羔裘 "羔裘如濡": Lob eines hohen Beamten (Anonymous (Shijing))
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Im Lämmerpelz von weichem Haar, Traun, glatt und zierlich immerdar, Beharret dieser Ehrenmann An seiner Pflicht unwandelbar. Im Lämmerpelz mit Pardels Rand, Gar tapferlich mit fester Hand, Verwaltet dieser Ehrenmann Gerechtes Regiment im Land. Im Lämmerpelz, so schön und fein, Mit Säumen, glänzenden, zu drei'n, O, so wird dieser Ehrenmann Allzeit des Landes Zierde sein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 159. -
Gao qiu "Gao qiu xiao yao" 羔裘 "羔裘逍遙": Der eitle und leichtisinnige Fürst (Anonymous (Shijing))
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Im Lammpelz treibst du Müßiggang, Im Fuchspelz hältst du Hofempfang; Wie sollt' ich da nicht dein gedenken? Mir ist im Herzen weh und bang. Im Lammpelz schwärmst du sonder Wahl, Im Fuchspelz bist du in dem Saal; Wie sollt' ich da nicht dein gedenken? Mir macht's im Herzen Leid und Qual. Der Lammpelz, wie von Fettbalsam, Erglänzt, sowie die Sonne kam; Wie sollt' ich da nicht dein gedenken? Mein ganzes Herz ist voller Gram.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 230. -
Gao yang 羔羊: Rückkehr hoher Beamten vom Hofe zu ihrem Mittagsmahl (Anonymous (Shijing))
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Im Lammpelz und im Schafpelzkleide, Fünffach bestickt mit weißer Seide, Gehn sie vom Fürsten her zum Mahl In stiller Freud', in stiller Freude. Mit Lamms- und Schaffell wol versehn, Drauf fünffach weiße Seiden stehn, In stiller Freud', in stiller Freude Sie her zum Mahl vom Fürsten gehn. Ihr Lamms- und Schafvließ um sich her, Fünffach von weißer Seide schwer, In stiller Freud', in stiller Freude Gehn sie zum Mahl vom Fürsten her.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 84. -
Ge ju 葛屨: Unschicklichkeiten der Vornehmen in Wei (Anonymous (Shijing))
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Auf den dünnen Schuh'n von Ko Mögen sie bei Rauhfrost gehen. Ihrer Bräute zarte Hände Mögen Männerkleider nähen, Säumen sie, verbrämen sie; Herrn von Stande nehmen sie. Ruhig stellt ein Herr von Stand' Sich in Demuth linker Hand, - Elfnen Kamm am Gürtelband! Ei, sind das beschränkte Herzen, Da ist Spott wol angewandt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 187. -
Ge lei 葛藟: Der Ausgewanderte in der Fremde (Anonymous (Shijing))
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Das Ko, das üppig ranken soll, Darf nicht vom Flußgestad' sich trennen. Von meinen Brüdern weit entfernt, Muß ich den Fremden Vater nennen. Muß ich den Fremden Vater nennen, So will er mich nicht anerkennen. Das Ko, das üppig ranken soll, Darf nicht des Ufers sich entschlagen. Von meinen Brüdern weit entfernt, Muß ich zur Fremden Mutter sagen. Muß ich zur Fremden Mutter sagen, So will sie doch nach mir nichts fragen. Das Ko, das üppig ranken soll, Darf nur am Strand des Flusses sein. Von meinen Brüdern weit entfernt, Nenn' ich den Fremden Bruder mein. Nenn' ich den Fremden Bruder mein, So will er mir sein Ohr nicht leih'n.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 149. -
Ge sheng 葛生: Aus dem Schi-king, 37. "Das Ko wächst überm Strauch herein" (Anonymous (Shijing))
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Das Ko wächst überm Strauch herein, Die Winde schlingt sich fort im Frei'n. Mein Vielgeliebter ist nicht mehr; Wer ist noch mein? Ich bin allein. Das Ko am Dorn wächst kräftiglich, Die Winde schlingt um Gräber sich, Mein Vielgeliebter ist nicht mehr; Wer ist noch mein? Allein steh' ich. Der Pfühl fürs Haupt, so schön und fein! So reich der Decke Stickerei'n! Mein Vielgeliebter ist nicht mehr; Wer ist noch mein? Mir tagt's allein. Nach manchem Sommertag, Nach mancher Winternacht, Wohl hundert Jahre hintendrein Geh' ich, wo er nun Wohnung macht. Nach mancher Winternacht, Nach manchem Sommertag, Wohl hundert Jahre hintendrein Geh' ich zu ihm in sein Gemach.–
in: Seliger, Paul (ed.). Der Völker Liebesgarten. Leipzig: Verlag Julius Zeitler, 1909. p. 13f. -
Ge sheng 葛生: Wittwentrauer und Wittwentreue (Anonymous (Shijing))
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Das Ko wächst über'n Strauch herein, Die Winde schlingt sich fort im Frei'n. Mein Vielgeliebter ist nicht mehr; Wer ist noch mein? Ich bin allein. Das Ko am Dorn wächst kräftiglich, Die Winde schlingt um Gräber sich. Mein Vielgeliebter ist nicht mehr; Wer ist noch mein? Allein steh' ich. Der Pfühl für's Haupt, so schön und fein! So reich der Decke Stickerei'n! Mein Vielgeliebter ist nicht mehr; Wer ist noch mein? Mir tagt's allein. Nach manchem Sommertag, Nach mancher Winternacht, Wol hundert Jahre hintendrein, Geh' ich, wo er nun Wohnung macht. Nach mancher Winternacht, Nach manchem Sommertag, Wol hundert Jahre hintendrein, Geh' ich zu ihm in sein Gemach.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 206. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 38. -
Ge sheng 葛生: Witwentrauer und Witwentreue (Anonymous (Shijing))
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Gerank wächst übern Strauch herein, Die Winde schlingt sich fort im Frei'n. Der mir der Liebste war, ist weg; Wer ist noch mein? Ich bin allein. Gerank am Dorn wächst kräftiglich, Die Winde schlingt um Gräber sich. Der mir der Liebste war, ist weg; Wer ist noch mein? Allein steh ich. Der Pfühl fürs Haupt, so schön und fein! So reich der Decke Stickerein! Der mir der Liebste war, ist weg; Wer ist noch mein? Mir tagts allein. Nach manchem Sommertag, Nach mancher Winternacht, Wohl hundert Jahre hinterdrein, Geh ich, wo er nun Wohnung macht. Nach mancher Winternacht, Nach manchem Sommertag, Wohl hundert Jahre hinterdrein, Geh ich zu ihm in sein Gemach.–
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 244. –
in: Guenther, Johannes von. Lyrik aus aller Welt. Liebesgedichte, Ullstein Buch. Frankfurt a. M.: Ullstein Taschenbücher-Verlag, 1958. p. 191. -
Ge tan 葛覃: Thai-sse als Hausfrau (Anonymous (Shijing))
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Wie hat das Ko hinausgerankt! Es trieb bis zu des Thales Grunde, Und üppig steht der Blätterflor. Die gelben Vöglein fliegen vor Und aus der Bäume dichter Runde Schallt ihres Sanges heller Chor. Wie hat das Ko hinausgerankt! Es trieb bis zu des Thales Grunde, Und seine Blätter stehen dicht. Ich schneid' es, brüh' es ab zur Stunde, Und mache Kleider, fein und schlicht; Sie anzuzieh'n verdrießt mich nicht. Kund thu' ich der Hofmeisterin: Thu' kund, ich will in's Heimathland! Auf, nimm mein unrein Zeug zur Hand! Auf, waschen wir mein Festgewand! Was wasch' ich? was bleibt in Behältern? Besuchen will ich meine Ältern!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 67. -
Gong liu 公劉: Fürst Lieu (Anonymous (Shijing))
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Der edle Fürst Lieu - Nicht rasten mocht' er und nicht weilen; Er mußte messen, Land vertheilen, Einernten, schobern Garbenzeilen, Dörrfleisch und Kornfrucht ohne Weilen In Beutel und in Säcke peilen. Durch Einung wollt' er Ruhm ertheilen. Bewehrt mit Bogen und mit Pfeilen, Mit Schilden, Speeren, Äxten, Beilen, Macht' er sich fertig, fortzueilen. Der edle Fürst Lieu - Er übersah das flache Land; Da er's zu voll, zu zahlreich fand, Entschloß er sich und that's bekannt. Das Seufzen war nicht von Bestand. Auf stieg er zur der Gipfel Rand, Stieg wieder ab in's flache Land; Was hatt' er an dem Gürtel da? Nephrit und edle Steine werth, Und in besteinter Scheid' ein Schwert. Der edle Fürst Lieu - Ging zu der hundert Quellen Strand, Und schaut' in's weite flache Land; Erstieg den Berg gen Süden dann Und schaute sich das Hochland an. Das Hochland paßte für das Heer; Dort blieb er und dort wohnet' er, Dort stellt' er Fremden Obdach her, Dort sprach er seine Sprüche aus, Dort hielt er Rath Berathender. Der edle Fürst Lieu - Als er im Hochland konnte ruh'n, Ließ er den Wackern, Würd'gen nun Rohrmatten hin und Sessel thun, Darauf zu sitzen und zu ruh'n. Er ging zu seinem Pferch hinein, Holt' aus den Kürbisflaschen Wein, Und speiste sie und tränkte sie, Beherrschte sie und lenkte sie. Der edle Fürst Lieu - Als er's besaß in Läng' und Breite, Hielt Richtschau, trat auf Bergesweite, Verglich die Licht- und Schattenseite, Und nahm den Lauf der Quellen wahr. Dreifältig theilt' er seine Schaar, Maß ihr die Marsch, das Flachland dar; Bestimmte Zins vom Ackerland, Maß dar der Berge Abendwand, Und Pin ward groß an Wohnbestand. Der edle Fürst Lieu - Nach Pin gelangt in Fremdlings Weisen, Thät' über'n Wei mit Fähren reisen, Und holte Schleifstein, holte Eisen. Besiedelt, ordnet' er das Land; Da wuchs das Volk und sein Bestand, Das ganze Hoang-Thal füllt' es aus, Bis in das Ko-Thal drang's hinaus, Und als zu dicht die Meng' auch dort, Ging's nach des Sjui Gestaden fort.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 420-422. -
Gu feng "Xi xi gu feng, wei feng ji yu" 谷風 "習習谷風,維風及雨": Wandelung der Freundschaft (Anonymous (Shijing))
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Lieblich kam der Wind von Osten; – Regen ließ er hinter sich. Einst bei Sorgen, einst bei Ängsten, War ich ganz allein für dich! Nun in Ruhe, nun im Glücke Kehrst du um, verlässest mich. Lieblich kam der Wind von Osten; – Stürme folgtem ihm sogleich. Einst bei Sorgen, einst bei Ängsten, War dein Busen mein Bereich; Nun in Ruhe, nun im Glücke, Läßt du mich, Vergess'nem gleich. Lieblich kam der Wind von Osten; Nun auf stein'gem Bergeshaupt Ist kein Halm, das nicht erstorben, Ist kein Baum, der nicht entlaubt. All mein Gutes ist vergessen, Jeder Fehl hervorgeklaubt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 333. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 238f. -
Gu feng "Xi xi gu feng, yi yin yi yu" 谷風 "習習谷風,以陰以雨": No title ("Ich hatte Köstliches gespeichert") (Anonymous (Shijing))
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Ich hatte Köstliches gespeichert, Zu sorgen für die Winterzeit. Du schmausest mit der Neuvermählten, Ich war nur für die Dürftigkeit. Du schäumtest, brausest ohne Scham, Und überläßt mich nun dem Gram, Uneingedenk des, was vergangen, Und was ich dir zu leisten kam.–
in: Fink-Henseler, Roland W. (ed.). Brevier fernöstlicher Weisheit. Sprichwörter, Aphorismen und Gedichte aus Japan und China. Bayreuth: Gondrom Verlag, 1984. p. 88.
Translation based on the final stanza of the original poem. -
Gu feng "Xi xi gu feng, yi yin yi yu" 谷風 "習習谷風,以陰以雨": Klage der Verstoßenen (Anonymous (Shijing))
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Des Ostens sanfter Windeshauch Bringt Dunkel, bringt des Regens Born. Nach Herzenseinheit soll man trachten, Und nicht geziemend ist der Zorn. Die Ampfer und Kohlraben wollen, Beachten nicht die Wurzelknollen. Blieb unverletzt mein guter Ruf, Hätt' ich bei dir auch bleiben sollen. Ich ging des Wegs gar zögerlich, Mein ganzes Innres sträubte sich. Es war nicht weit, nur wenig Schritte, Daß du geführt zur Schwelle mich. Wer nennet noch die Raute bitter? So süß wie Eppich ist sie jetzt. Du schmausest mit der Neuvermählten, Wie Bruder sich mit Bruder letzt. Der Kingfluß macht den Weistrom trübe, Vor Inseln fließt er klar und rein. Du schmausest mit der Neuvermählten, Ich soll die Reine nicht mehr sein. Tritt nicht heran auf meine Dämme, Zieh' meine Reusen dir nicht her! – Doch meiner wird ja nicht geachtet – Was kümmert mich die Zukunft mehr? Wenn ich vor Wassertiefen kam, Hab' ich ein Floß, ein Boot genommen, Wenn ich vor seichte Wasser kam, Bin ich gewatet und geschwommen. Ob wir besaßen, ob gebrach, Ich mühte mich, um zu bekommen, Traf irgendwen ein Trauerfall, Ich kroch dahin, um ihm zu frommen. Nun hältst du dich der Lieb' entbunden, Ja, siehest mich an als dir feind erfunden. Da meine Güte du verschmähst, Bin ich ein Kaufmann ohne Kunden. Einst sorgt' ich angstvoll mich um's Nöth'ge bleich, Versank in Noth mit dir zugleich; Nun kannst du leben, bist du reich, Und ich bin dir dem Gifte gleich. Ich hatte Köstliches gespeichert, Zu sorgen für die Winterzeit. Du schmausest mit der Neuvermählten, Ich war nur für die Dürftigkeit. Du schäumtest, brausest ohne Scham, Und überläßt mich nun dem Gram, Uneingedenk des, was vergangen Und was ich dir zu leisten kam.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 104f. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 36. -
Gu zhong 鼓鍾: Unzeitige Hoflustbarkeiten (Anonymous (Shijing))
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Da schlägt man Glocken, kling und klang! Der Hoai-Fluß strömt in Überschwang. Mir ist im Herzen weh und bang. Die sittenreinen, hohen Fürsten Sind mir im Sinne sonder Wank. Da schlägt man Glocken, weidlich weit; Des Hoai Gewässer strömen breit. Mir ist im Herzen weh und leid. Die sittenreinen, hohen Fürsten, Kein Fehl hatt' ihre Trefflichkeit. Die Glocke tönt zu Paukenklang; Drei Inseln giebt's den Hoai entlang. Mir ist im Herzen angst und bang. Die sittenreinen, hohen Früsten, – Nicht so war ihrer Tugend Gang. Da schlägt man Glocken hell und fein, Und spielt mit Harf' und Laute drein, Und Pfeif' und Klingstein stimmen ein Zum Festlied, zu des Südens Lied, Zum Flötentanze fehlerrein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 346. -
Guan ju 關雎: Zur Vermählung des Königs Wen (Anonymous (Shijing))
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Ein Entenpaar ruft Wechsellaut, Auf Stromes Insel hat's gebaut. Still, sittsam ist die reine Maid, Des hohen Fürsten würd'ge Braut. Seerosen schwimmen mannigfalt, Und links und rechts durchfährt man sie. Still, züchtig ist die reine Maid; Wach und im Schlaf begehrt' er sie. Und fand er nicht, die sein Begehr, Wach und im Schlaf gedacht' er der, Ach wie so sehr, ach wie so sehr! Und wälzt' und wand sich hin her. Seerosen schwimmen mannigfalt, Und links und rechts wir langen sie. Still, sittsam ist die reine Maid, Und Laut' und Harf' empfangen sie. Seerosen schwimmen mannigfalt, Und links und rechts wir pflücken sie. Still, sittsam ist die reine Maid, Und Glock' und Pauk' entzücken sie.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 65f. –
in: Scherr, Johannes (ed.). Bildersaal der Weltliteratur, Band 1. Stuttgart: Gebrüder Kröner, 1885. p. 16. –
in: Wille, Bruno. Die Weltdichter fremder Zungen und Schätze aus ihren Werken in deutscher Nachdichtung. Von den Veden bis Tolstoi.. Berlin: Märkische Verlagsanstalt, 1911. p. 67. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 35. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 228f. –
in: Guenther, Johannes von. Lyrik aus aller Welt. Liebesgedichte, Ullstein Buch. Frankfurt a. M.: Ullstein Taschenbücher-Verlag, 1958. p. 190.
Note that in "Die Weltdichter fremder Zungen und Schätze aus ihren Werken" by Bruno Wille the translation is titled "Hochzeitslied zur Vermählung des Königs". -
Han guang 漢廣: Die Unzugänglichen (Anonymous (Shijing))
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Nackte Bäume stehn im Süden, Die kein Obdach geben können; Und am Han-Strom wandeln Mädchen, Die wir nicht erstreben können. Ach, des Han-Gewässers Breite, Die kann nicht durchschritten werden; Ach, des Kiang-Gewässers Weite Kann nicht überglitten werden. Binden sie die Reisigbündel, Möcht' ich gern die Dornen schneiden. Ziehn die Mädchen zur Vermählung, Möcht' ich ihre Rosse weiden. Ach, des Hand- Gewässers Breite, Die kann nicht durchschritten werden; Ach, des Kiang-Gewässers Weite Kann nicht überglitten werden. Binden sie die Reisigbündel, Möcht' ich draus die Stabwurz holen. Ziehn die Mädchen zur Vermählung, Möcht' ich füttern ihre Fohlen. Ach, des Han-Gewässers Breite, Die kann nicht durchschritten werden; Ach, des Kiang-Gewässers Weite Kann nicht überglitten werden.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 74f. -
Han lu 旱麓: König Wen, der holdselige Gebieter (Anonymous (Shijing))
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Schau, wie am Fuß des Han-Gebirgs Rothdorn und Hasel wächst unzählig! Holdselig war der hohe Fürst, Sein Glück erstrebend stets heldselig. Fest ist die Schale von Nephrit, Das gelbe Naß, es ist darinnen. Holdselig war der hohe Fürst, Da ihm ward Segen und Gewinnen. Zum Himmel fliegt der Falk hinan, In Tiefen hüpft der Fisch sodann. Holdselig war der hohe Fürst; Wie wirkt' er nicht auf Jedermann? Der klare Wein ist eingethan, Der rothe Stier ist auf dem Plan, Um darzubringen, um zu opfern, Um noch mehr Segen zu empfah'n. Dicht stehen Eich' und Dornenholz, Die sich dem Volk zur Feurung zeigten. Holdselig war der hohe Fürst, Dem liebreich sich die Geister neigten. Das blätterreiche Ko-Gerank Seh'n wir um Ast und Stamm sich legen. Holdselig war der hohe Fürst; Nie sucht' er Glück auf krummen Wegen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 399. -
Han yi 韓奕: Loblied auf den Fürsten von Han (824 v. Chr.) (Anonymous (Shijing))
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Am mächtigen Leang-Gebirge, Dem Jü die Urbarkeit verlieh'n, Von dem sich weit die Straßen bahnen, Empfing der Fürst von Han sein Amt. Der König selbst beamtet' ihn: "Setz' fort die Reihe deiner Ahnen; Versäume nichts in meinem Amt, Laß Tag und Nacht nicht Muße seh'n, Hingebend ehre deine Würde, So wird mein Amt dir nie entgeh'n. Treib' ein die unbotmäß'gen Lande, Um deinem Obherrn beizusteh'n." Mit seinen vier gewalt'gen Hengsten - Sie waren mächtig hoch und lang - Erschien der Han-Fürst beim Empfang. In seiner Hand das große Scepter, Kam er zum König beim Empfang. Der König gab dem Fürsten Han's Ein prächtig Banner mit Behang, Geflocht'ne Schirmwand, Jochschmuck blank, Ein schwarzes Staatskleid, rothe Schuhe, Gravirten Stirnschmuck, Brustgespang, Lehnsitz von Leder, Tigerdecken, Und Zügel goldberingter Ecken. Der Han-Fürst brach vom Opfer auf; Er hatt' in Thu zu ruh'n beschlossen. Hian-fu gab ihm das Abschiedsmahl, Wo hundert Krüge Weines flossen. Und was für Fleische gab es da? Schildkrötenbraten, Fisch mit Flossen. Was für Gemüse gab es da? Nebst Kalmuswurzeln Bambussprossen. Was für Geschenke gab es da? Ein Viergespann sammt Staatskarossen. Um viele Näpf' und Schüsseln schlossen Die Fürsten sich als Festgenossen. Es nahm der Han-Fürst zur Gemahlin Die Schwestertochter Königs Fen, Die einst dem Kuei-fu war geboren. Der Han-Fürst holte sie von dort, Wo Kuei die Wohnstadt war erkoren. Ein Hundert Wagen rollt' entlang, Und ihrer Schellen Klingeln klang. War da nicht Glanz in Überschwang? All' ihre Folgejungfraun traten Gleich einer Wolke sanft hervor. Der Han-Fürst sah sich um nach ihnen, So glänzend füllten sie das Thor. Kuei-fu war ein erfahrner Krieger; Kein Land, das nicht sein' Augen sahn. Da er für Kan-khi eine Heimath wählte, Schien keine lieblicher als Han. Gar lieblich ist ja Han's Gebiet, Das weithin See und Fluß durchzieht, D'rin Brass' und Karpfe wolgerieth, Da Hochwildpret in Rudeln zieht, Und da man Bären, Riesenbären, Waldkatzen sowie Tiger sieht. Und von so schönem Heim entzückt, Ward Kan-khi ruhig und beglückt. Hochragend war die Mauer Han's, Die einst erbaut das Heer von Jan, Als dort sein erster Ahn' das Amt empfangen, Zu bändigen die wilden Man. Der König hat dem Fürsten Han's Dazu die Tschui, die Me gegeben, Und rasch nahm er das Nordland ein, Um als sein Oberhaupt zu leben. Dann gab es Wälle, gab es Gräben, Gab Landausleih'n, gab Zinserheben; Und Pelz vom Luchse sandt' er her, Vom rothen Pardel, gelben Bär.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 452-454. -
Hao tian you cheng ming 昊天有成命: Beim Opfer für König Tschhing (Anonymous (Shijing))
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Der hohe Himmel hat das Amt bestimmt; Zwei Herrscher hatten es empfangen, Und König Tschhing hat nicht gewagt zu ruh'n, Hat Tag und Nacht das Amt begründet, tief und still. Wie glänzend führt' er's fort! Ganz gab er d'ran sein Herz Und hat es so zu Ruh gebracht.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 472. -
He bi nong yi 何彼襛矣: Vermählung einer Königstochter aus dem Hause Tscheu mit dem Sohne eines Lehensfürsten (Anonymous (Shijing))
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Was schimmert da so glänzend her? Waldkirschen, die da Blüthen tragen? Gehn nicht zum ehrenvollen Bund Der königlichen Ki die Wagen? Was schimmert da so glänzend her? Wol blühten Pfirsichbäume schon. – Des Friedenskönigs Enkelin, – Des ehrenreichen Fürsten Sohn. Wie wendet man die Angel an? Man knüpfet Fäden her und hin: Des ehrenreichen Fürsten Sohn, – Des Friedenskönigs Enkelin.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 90. -
He cao bu huang 何草不黃: Beschwerliche Feldzüge (Anonymous (Shijing))
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Welch' Kraut ist hier nicht gelbgebrannt? Und welchen Tag wird nicht gerannt? Und welcher Mann ist nicht entsandt Zu Dienst und Müh'n in allem Land? Welch' Kraut ist hier, das nicht geschwärzt? Und welcher Mann, den nicht was schmerzt? O weh' uns ausgesandten Leuten, Sind wir vom Volk nur ausgemerzt? Nicht Nashorn und nicht Tiegerthier, Durchzieh'n wir wüste Steppen hier. O weh' uns ausgesandten Leuten, Von früh bis spät nicht rasten wir. Die langgeschwänzten Füchse mögen Durch diese schwarzen Gräser flieh'n; Doch sollten Feldbagagewägen Die großen Königsstraßen zieh'n.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 385. -
He guang 河廣: Nahe und doch unerreichbar (Anonymous (Shijing))
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Wer sagte denn, der Ho sei breit? Ein Schilfrohr kann ihn überbrücken. Wer sagte denn, nach Sung sei's weit? Auf meinen Zeh'n kann ich's erblicken. Wer sagte denn, der Ho sei breit? Kein Schifflein kann er ja versorgen. Wer sagte denn, nach Sung sei's weit? Man braucht dahin ja keinen Morgen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 138. -
Ji gu 擊鼓: Der versprengte Krieger (Anonymous (Shijing))
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Sie schlugen die Trommel, und die erklang, Wir sprangen empor, die Waffen zu führen; Man baute das Land, man befestigte Tsao; Wir mußten allein nach Süden marschiren. Gefolgt sind wir dem Sun Tse-tschung, Bis er Frieden gemacht mit Tschhin und Sung. Uns hat er nicht wieder zurückgeführt, Mein traurig Herz ist bekümmert genug. Da man rastete, da man Ruhe genoß, Da sind abhanden gekommen die Ross'; Ich ging und habe nach ihnen gesucht, Bis daß mich die Tiefe des Waldes umschloß. Auf Tod und Leben, getrennt noch so weit, Hab' ich Ihr mich verbunden mit festem Eid, Und habe darauf ihre Hand genommen, Mit ihr zusammen in's Alter zu kommen. Und ach, so fern in den Weiten, oh, Soll mir das Leben entgleiten, oh! Und ach, so getreu ihr eigen, oh, Nicht kann ich es ihr bezeigen, oh!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 100. -
Ji ming 雞鳴: Aus dem Schi-king, 34. "Schon ließ der Hahn sein Krähn erschallen" (Anonymous (Shijing))
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"Schon ließ der Hahn sein Krähn erschallen; Der Hof erfüllet schon die Hallen." "Das war noch nicht des Hahnes Krähn; Die Fliegen machten die Getön." "Schon ist der Osten licht erglommen; Der Hof ist schon zusammenkommen." "Noch lichtet es sich ja im Osten nicht; Das ist des Mondaufganges Licht" "Die Fliegen sumsen ja im vollen, Und süß wär's, neben dir noch träumen wollen; Doch die Versammlung geht davon: Laß nur nicht etwa mir und dir sie grollen."–
in: Seliger, Paul (ed.). Der Völker Liebesgarten. Leipzig: Verlag Julius Zeitler, 1909. p. 12. -
Ji ming 雞鳴: Tagelied eines fürstlichen Paares (Anonymous (Shijing))
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"Schon ließ der Hahn sein Krähn erschallen; Der Hof erfüllet schon die Hallen." "Das war noch nicht des Hahnes Krähn; Die Fliegen machten dies Getön." "Schon ist der Osten licht erglommen; Der Hof ist schon zusammenkommen." "Noch lichtet sichs im Osten nicht; Das ist des Mondesaufgangs Licht." "Die Fliegen sumsen ja im Vollen, Und süß wärs neben dir noch träumen wollen; Doch die Versammlung geht davon: Laß nur nicht etwa mir und dir sie grollen."–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 175. –
in: Guenther, Johannes von. Lyrik aus aller Welt. Liebesgedichte, Ullstein Buch. Frankfurt a. M.: Ullstein Taschenbücher-Verlag, 1958. p. 189. -
Ji ri 吉日: Lied der Jägermeister nach einer Jagd des Königs mit Gäasten und Fremden (Anonymous (Shijing))
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Am ungraden Tage, der günstigen Zeit, Da hat man geopfert, Gebete geweiht. Jagdwagen, sie waren auf's beste bereit, Und Hengstgespanne von Dauerbarkeit, Zu fahren hinauf zu den Berghöh'n weit, Und zu folgen den Rudeln auf hoher Heid'. Am siebenten Tage, als günstig erkannt, Da haben wir unsere Rosse gewandt, Und dort, wo des Wildes vereinigter Gang, Wo Hindin und Hirsch in Haufen sich fand Das Ufer des Thsi und des Thsiu entlang, Dort nahm der Himmelssohn seinen Stand. Und als wir hinab in die Ebene sah'n, Da waren an Menge sie gar ungemein; Sie rannten, sie schritten gemächlich darein, Die einen in Rudeln, die andern zu Zwei'n. Da führten wir all' die Gehülsen hinein, Ein Fest dem Himmelssohne zu weih'n. Und als wir unsere Bogen gespannt, Uns unsere Pfeil' auf die Sehnen gestellt, Da schossen wir hier die geringere Sau, Und ein Nashorn groß ward dorten gefällt. Die wurden den Gästen und Fremden verlieh'n, Und Süßweinspende dazu gesellt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 289f. -
Ji zui 旣醉: Erwiderung der Gäste auf das vorige Lied, beim Schlusse des Mahls (Anonymous (Shijing))
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Nun sind wir rechgetränkt mit Wein, Gesättiget mit Gütigkeit. Dem hohen Herrn zehntausend Jahr'! Dein glänzend Glück machs' allezeit! Nun sind wir reichgetränkt mit Wein, Man setzt uns deine Speisen her. Dem hohen Herrn zehntausend Jahr'! Dein glänzend Licht machs' immermehr! Dein glänzend Licht, sich kräftigend, So hoch und klar, find't gutes End'; Welch' gutes Ende schon begann, – Der Todtenknab' hat's kundgethan. Und was er kundgethan, was war's? - "Die Schüsseln waren rein und zart; Die Freunde, die den Dienst gethan, Die Thaten Dienst in würd'ger Art." "In würd'ger Art wird zeitig schon Dem hohen Herrn verlieh'n der fromme Sohn. Von frommen Söhnen sonder End' Wird Segen stets dir zugewend't." Der Segen denn, was wird er sein? Daß in den Gängen im Palast, O hoher Herr, zehntausend Jahr' Du allzeit Glück und Nachkunst hast. Die Nachkunst denn, wie wird das sein? – Der Himmel fügt dein Glück dir bald; Dem hohen Herrn zehntausend Jahr'! Dein hehres Amt hat sichern Halt. Der sichre Halt. was wird das sein? Dir wird ein mannhaft Eh'gemahl; Wird dir ein mannhaft Eh'gemahl, So folgen Enkel ohne Zahl.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 415f. -
Jia le 假樂: Preis des Königs und seiner Nachkommen (Anonymous (Shijing))
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Voll Gnad' und Huld ist unser Herr, Ein hoch an Tugend Leuchtender, Hort seinem Leuten, Hort dem Land, D'rob er des Himmels Segen fand, Der Schutz und Hülf' und Thronbestand Von neuem ihm hat zugewandt. Glück sucht' er, so wird alles Heil, Viel tausend Enkel ihm zutheil, Voll hohen Sinns, voll Edelmuth, Zu Fürsten gut, zu Kön'gen gut, Der Keiner irrt, noch müssig ruht, Und stets nach alter Satzung thut. An Haltung würdig immerdar, An Tugendruhm unwandelbar, Und ohne Groll und ohne Neid Nachgiebig der Genossen Schaar, In gränzenlosem Glück zugleich Sind sie der Web'aufzug für's Reich. Der Aufzug d'rin, der Einschlag d'ran, Verleih'n sie Ruh' den Freunden dann; Fürsten und Große, Mann für Mann, Schau'n hold zum Himmelssohn hinan, Nie säumig, ihre Pflicht zu thun. Da kann das Volk in Frieden ruh'n.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 419. -
Jian jia 蒹葭: Rätselhaft (Anonymous (Shijing))
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Das Rohr und Schilf wird völlig blau, Zum Reife wird der helle Thau. Und den ich meine, jener Mann, Er ist in dieses Flusses Au. Ich geh' stroman und folg' ihm nach; Der Weg ist weit und dazu rauh; Ich geh' stromab und folg' ihm nach –: Da sitzt er mitten in dem Wasser, schau! Das Rohr und Schilf gar frostig läßt, Noch ist der helle Thau nicht fest. Und den ich meine, jener Mann, Ist, wo der Fluß das Ufer näßt. Ich geh' stroman und folg' ihm nach; Der Weg ist rauh und steil sein Rest; Ich geh' stromab und folg' ihm nach –: Da sitzt er auf dem Holm im Fluß, ermeßt! Das Rohr und Schilf wird abgemäht, Bevor der helle Thau vergeht. Und den ich meine, jener Mann, Ist, wo am Fluß das Ufer steht. Ich geh' stroman und folg' ihm nach; Der Weg ist rauh und steinbesä't; Ich geh' stromab und folg' ihm nach –: Da sitzt er auf des Flusses Insel, seht!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 212. -
Jian jian zhi shi 漸漸之石: Mühvoller Marsch (Anonymous (Shijing))
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O diese schroffen, jähen Felsen Mit ihrer Hochansteigbarkeit! Die weit entlegnen Berg' und Ströme Mit ihrer Vielbeschwerlichkeit! Ach, ein Soldat im Marsch gen Osten Hat keinen Morgen Ruhezeit. O diese schroffen, jähen Felsen Mit ihren gipfelichten Höh'n! Die weit entlegnen Berg' und Ströme, Wann werden wir ihr Ende seh'n? Ach, ein Soldat im Marsch nach Osten Hat nicht die Freiheit, abzugeh'n. Der Schweine Füße wären weiß, Durchschritten sie die Wellen all'. Nun trat der Mond zum Siebenstern Und bringt der Nässen Überschwall. Ach, ein Soldat im Marsch gen Osten, Er hat nichts andres überall.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 383. -
Jian xi 簡兮: Der Tänzer, der zu Besserem tauglich wäre (Anonymous (Shijing))
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Leicht und gewandt, leicht und gewandt Tritt er zu jeglichem Tanze heran. Stehet die Sonn' in der Mitte des Tags, Zeigt er sich auf dem erhöhten Plan. Groß ist der Mann und von hoher Gestalt, Tanzet im fürstlichen Saal mannigfalt. Gleichet dem Tiger an Kraft und Gewalt, Führet die Bäum' als ob Fäden er halt' Hält in der Hand, in der linken, die Flöte, Hält mit der Rechten die Federn gefaßt; Strahlet er aber von Schweiß und von Röthe, Heißet der Fürst, daß man Becher ihm böte. Auf Bergen wachsen die Haseln, Das Süßholz wächst in dem Thal. Und wessen ist er denn eingedenk? Der herrlichen Männer im westlichen Land. O was für herrliche Männer das sind, Die Männer dort in den westlichen Landen, oh!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 108. -
Jiang han 江漢: Schao-Hu's Siegeszug und Belohnung (826 v. Chr.) (Anonymous (Shijing))
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Kiang und Han geschwollen waren; Vorwärts strömten Kriegerschaaren. Ohne Ruh'n und Müßigfahren Suchten wir die Koai-Barbaren; Zogen aus mit unsern Wagen, Ließen unsre Banner ragen, Ohne Ruhen, ohne Zagen, Koai's Barbaren fortzuschlagen. Kiang und Han sich wogend schwangen; Kühn zum Streit die Krieger drangen. Ordnung ist durch's Reich ergangen; König hat die Kund' empfangen. Alles Land war nun in Frieden, Fest des Königs Reich hienieden, Aller Streit hinfort vermieden Und dem König Ruh' beschieden. Wo sich Kiang und Han ergießen, König hat Schao-Hu gehießen: "Geh', die Länder aufzuschließen, Meine Gränzmark auszuleih'n, Ohne Drücken und Verletzen Nach des Königslands Gesetzen Im Begränzen, im Befrieden, Bis hinaus an's Meer im Süden." König hat Schao-Hu gehießen: "Bist gegangen, war'st Vertheiler; Und als Wen und Wu regierten, War ein Schao-Fürst auch ihr Pfeiler; Ich, ein Kind, muß ihnen weichen, Doch du bist des Schao-Fürst Gleichen; Durchbewährt ist dein Verdienst, Das soll dir zum Glück gereichen. Dir ein Opferscepter geb' ich Und ein Faß mit Hirsenweine; That auch kund vor dem Patrone: Berg, Land, Feld sei dir zum Lohne. Nimm in Tscheu dein Amt vom Throne, Wie's dem Ahnherrn ward vom Throne." – Ku das Haupt zur Erde beugte: "Tausend Jahr' de,Himmelssohne"! Ku das Haupt zur Erde beugte, Laut des Königs Huld bezeugte, Ihn dem Ahnen gleich zu heben: "Himmelssohn mög' endlos leben! Himmelssohn, so hoch erleucht't, Dessen Ruhm kein End' erreicht, Deine Herrschertugend zeige, Daß sich alles Land ihr neige."–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 455f. -
Jiang you si 江有汜: Nachfolgende Reue (Anonymous (Shijing))
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Der Kiang gießt Arm' umher. Da sich die Maid vermählte, Brauchte sie uns nicht mehr. Brauchte sie uns nicht mehr, So kam doch Reue hinterher. Der Kiang um Inseln tritt. Da sich die Maid vermählte, Brachte sie uns nicht mit. Brachte sie uns nicht mit, Stockte doch hinterher ihr Schritt. Der Arm fließt heim zum Kiang. Da sich die Maid vermählte, Thaten wir nicht den Gang. Thaten wir nicht den Gang, Erathmete sie doch, – und sang.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 88. -
Jiang zhong zi 將仲子: No title ("Ich bitte, Tschung Tse, höre mich") (Anonymous (Shijing))
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Ich bitte, Tschung Tse, höre mich! Steig' nicht in unser Dörfchen her, Zerbrich nicht unsre Weidenpflanzen mehr! Wie wagt' ich es und liebte Dich? Vor meinen Eltern fürcht' ich mich. Du, Tschung, magst mir im Sinne sein; Doch vor der beiden Eltern Reden Darf ich der Furcht wohl inne sein. Ich bitte, Tschung Tse, höre mich! Steig' über unsern Wall nicht wieder, Brich nicht die Maulbeerpflanzen nieder! Wie wagt' ich es und liebte Dich? Ich fürchte meine ältern Brüder. Du, Tschung, magst mir im Sinne sein; Doch vor der ältern Brüder Reden Darf ich der Furcht wohl inne sein. Ich bitte, Tschung Tse, höre mich! Steig' nicht durch unsern Gartenzaun, Brich nicht die Sandelpflanzen, die wir baun! Wie wagt' ich es und liebte Dich? Der Leute Reden fürcht' ich, die es schaun. Du, Tschung, magst mir im Sinne sein; Doch vor der Leute vielen Reden Darf ich der Furcht wohl inne sein.–
in: Brandes, Georg. Die chinesische Dichtung von Otto Hauser. Mit 9 Vollbildern in Tonätzung. Berlin W.: Marquardt Co., Verl.-Anst. G.m.b.H., 1905. p. 11. -
Jiang zhong zi 將仲子: Mädchenbitte (Anonymous (Shijing))
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Ich bitte, Tschungtse, höre mich! Steig' nicht in unser Dörfchen her, Zerbrich nicht unsre Weidenpflanzen mehr! Wie wagt' ich es und liebte dich? Vor meinen Eltern fürcht' ich mich. Du, Tschung, magst mir im Sinne sein; Doch vor der beiden Eltern Reden Darf ich der Furcht wohl inne sein. Ich bitte, Tschungtse, höre mich! Steig' über unsern Wall nicht wieder, Brich nicht die Maulbeerpflanzen nieder! Wie wagt' ich es und liebte dich? Ich fürchte meine ältern Brüder. Du, Tschung, magst mir im Sinne sein; Doch vor der ältern Brüder Reden Darf ich der Furcht wohl inne sein. Ich bitte, Tschungtse, höre mich! Steig' nicht durch unsern Gartenzaun. Brich nicht die Sandelpflanzen, die wir baun! Wie wagt' ich es und liebte dich? Der Leute Reden fürcht' ich, die es scheun. Du, Tschung, magst mir im Sinne sein; Doch vor der Leute vielen Reden Darf ich der Furcht wohl inne sein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 154. –
in: Kürschner, Josef. China. Schilderungen aus Leben und Geschichte, Krieg und Sieg. Ein Denkmal den Streitern und der Weltpolitik. Leipzig: Verlag von Hermann Zieger, 1901. p. 20. –
in: Wentzel, Julius. Am Liederquell der Völker. Die klassische Lyrik der Weltliteratur. Leipzig: R. Voigtländer's Verlag, 1912. p. 7f. –
in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 39. –
in: Tatlow, Antony. Brechts chinesische Gedichte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag, 1973.
Note that in "China. Schilderungen aus Leben und Geschichte" it is a excerpt of the second stanza from this translation. -
Jiao gong 角弓: Des Königs unverwandtschaftliches Benehmen, ein verderbliches Beispiel (Anonymous (Shijing))
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Zierlich ist von Horn der Bogen, Fluggeschwind sein Rückwärtsschnellen. Seinen Brüder und Verwandten Soll man nicht sich fremde stellen. Wirst du so dich fremde stellen, Thut's das Volk in gleichen Fällen. Was zu lehren dir gefallen, Das wird nachgeahmt von Allen. Wenn die wolgesinnten Brüder Reichlich Lieb' einander schenken, Kommen schlechtgesinnte Brüder Nur zusammen sich zu kränken. Volk von gütelosem Kang Bleibt in eigensinn'gem Zank. Unbeugsamer Trotz auf Rang Endiget zuletzt mit Untergang. Kommt dem Altgaul füllenhaft Gelüft: Sieht er nicht, was folgend ist, Wenn er, reichlich satt noch frißt, Trinkend sich zuviel vermißt. Lehre nicht den Affen Bäum' ersteigen, Das heißt Schmutz dem Schmutze zeigen. Ist dem Hohen edler Wandel eigen, Wird der Niedre dahin neigen. Fällt der Schnee auch noch so hoch, Sonnenwärme schmelzt ihn doch. Wer nicht Luft hat abzuschrecken, Macht nur übermüth'ger noch. Fällt auch Schnee so viel er kann, Sonnenwärme thut's ihm an. Doch sie gleichen Mao und Man; Das kommt mir so schmerzlich an.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 371f. -
Jiao liao 椒聊: Lob eines hohen Herrn und Voraussagung von dem Wachsthum seines Hauses (Anonymous (Shijing))
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Des Pfefferstrauches Körnerfrucht, Sie füllt ein Nösel überreichlich. Ein solcher Herr wie dieser da Ist wahrhaft groß und unvergleichlich. Des Pfeffers Schossen, oh, Wie weit sie sprossen, oh! Des Pfefferstrauches Körnerfrucht Füllt beide Hände voll bis oben. Ein solcher Herr wie dieser da Ist wahrhaft groß und hoch zu loben. Des Pfeffers Schossen, oh, Wie weit sie sprossen, oh!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 199.
Nösel = Nößel, around 450 millilitres -
Jiao tong 狡童: Laune gegen Laune (Anonymous (Shijing))
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O dieser ränkevolle Bursch! Er wollte mir auch nicht ein Wörtlein gönnen. Und um des Herren willen nur Sollt' ich auch selber nun nicht einmal essen können? O dieser ränkevolle Bursch! Mit mir zu essen, war ihm nicht gelegen. Und um des Herren willen nur Sollt' ich auch selber nun nicht können Ruhe pflegen?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 165. -
Jie nan shan 節南山: Klage über den Reichskanzler Jin (Anonymous (Shijing))
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Steil blickt das Südgebirg in's Land Mit hochgethürmter Felsenwand. Auf dich, gewalt'ger Kanzler Jin, Ist alles Volkes Blick gewandt; Sein banges Herz ist wie im Brand, Und jedes Scherzgespräch verbannt. Das Reich steht an des Abgrunds Rand; Warum wird das nicht anerkannt? Steil blickt das Südgebirg in's Land, Und was er trägt, grünt reich am Licht. Gewaltiger Reichskanzler Jin, Warum thust du nicht deine Pflicht? Stets wächst des Himmels Strafgericht, Aufruhr und Sterben häuft sich dicht; Und was des Volkes Unmuth spricht, Dich bessert's nicht und schmerzt dich nicht. Zum Kanzler ist der Jin bestellt, Daß Tscheu er festigt in der Welt, Daß er das Reich im Gleichgewicht Und alles Land beisammen hält, Daß er, dem Himmelssohn gefellt, Des Volks Verirrung niederhält. O unbarmherz'ger hoher Himmel, Ist's Recht, daß er uns alle gar zerschellt? Nichts, nichts wird von ihm selbst verricht't, Drum traut das ganze Volk ihm nicht. Nichts prüft er, will nach Keinem seh'n, Um hohen Herrn nicht obzusteh'n, Rechtschaffne zwingt er, abzugeh'n; Gefahr ist nicht bei Niedrigen; Drum seine niedern Schwägerschaften Auch nicht in hohen Ämtern steh'n. Der hohe Himmel ist verkehrt, Der solch Verderbniß uns beschert; Der hohe Himmel ist nicht hold, Der solch groß Unheil senden wollt'. Wär' Zutritt Edleren gezollt, Des Volkes Herz wol ruhen sollt'; Wenn Edlere zum Rechten säh'n, Sollt' Haß und Ingrimm wol vergeh'n. O unbarmherz'ger hoher Himmel, Nichts hält ja die Verwirrung ein, Mit jedem Mond bricht sie herein Und will dem Volk nicht Ruh verleih'n. Von Herzweh tauml' ich wie von Wein. Wer soll des Reiches Ordner sein? Greift der nicht selbst regierend ein, Hat's Volk zuletzt nur Noth und Pein. – Vier Hengste hatt' ich vorgespannt, Hochhalsige hatt' ich genommen. Ich sah mir all' die Länder an, Und nirgends war vor Drangsal durchzukommen. Jetzt wuchert eure Bosheit auf Und eure Spieße seh' ich blinken; Dann seid ihr friedlich, dann vergnügt, Als gält's einander zuzutrinken. Der hohe Himmel ist verkehrt, Und unserm König Ruh verwehrt. Doch ändert Jener nicht sein Herz, Und haßt den, der ihn Bess'rung lehrt. Kia-fu hat dieses Lied gemacht, Zu rügen Königs Unbedacht; – Ob du doch wandeltest dein Herz Und nähmst der Lande Wol in Acht.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 306-308. -
Jing jing zhe e 菁菁者莪: Freude über des gütigen Königs Anwesenheit (Anonymous (Shijing))
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Der Stabwurz blüht in Üppigkeit Inmitten auf dem Berggebreit. Nun sehen wir den hohen Herrn, Freu'n uns und zeigen Höflichkeit. Die Stabwurz blüht in Üppigkeit Inmitten auf dem Eiland so. Nun sehen wir den hohen Herrn, Und deß sind unsre Herzen froh. Die Stabwurz blüht in Üppigkeit Inmitten auf dem Hochgestein. Nun sehen wir den hohen Herrn, Das giebt uns hundert Muschelreih'n. Es wogt und wogt der Weidenkahn, Sinkt bald hinab, steigt bald hinan. Nun sehen wir den hohen Herrn, Und unsre Herzen ruh'n fortan.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 282. -
Jing nü 靜女: Verfehlte Zusammenkunft (Anonymous (Shijing))
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Ein sauberes Mädchen, so schmuck und fein! Die harrt an der Ecke der Mauer wol mein. Ich liebe sie, aber ich sehe sie nicht; Ich kraue den Kopf, steh' betreten allein. Das saubere Mädchen, so lieblich im Flor, Die schenkte mir ein rothglänzendes Rohr. Doch schimmert das röthliche Rohr auch sehr, Die Schönheit des Mädchen erfreut mich mehr. Sie hatte mir Knospen vom Felde beschert, Und traue, die sind schön und bewundrungswerth. Und doch, ihr selber, ihr seid nicht schön, Ihr seid's nur, weil euch mir die Schöne verehrt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 113. -
Jing zhi 敬之: König Tschhing's Vorsätze (Anonymous (Shijing))
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O ehrerbietig! ehrerbietig! Der Himmel ist ja offenbar, Und leicht ist nicht sein Amt, fürwahr! O nimmer sage man, er sei hoch, hoch da droben! All' unser Thun umschwebt er gar, Nimmt überall uns täglich wahr. Ich aber bin ein kleines Kind, Und unbekannt mit Ehrerbietung. Doch täglich steigend, jeden Mond gescheidter, Bringt Lernen, immer klarer, mich zur hellsten Einsicht weiter. O helft dem schwer Belasteten! Zur lichten Tugendbahn seid meine Leiter!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 489. -
Jiong 駉: Der fürstliche Pferdezüchter (Anonymous (Shijing))
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Gar wolgenährte Hengste weiden Auf der Gemarkung freien Haiden; Gar wolgenährte, die sich scheiden In Mohrenköpf' und Isabellen, In Rappen und Kastanienbraune, Die vor den Wagen geh'n in Tänzen. Bedenkend ohne Gränzen, Denkt er der Ross' und diese glänzen. Gar wolgenährte Hengste weiden Auf der Gemarkung freien Haiden; Gar wolgenährte, die sich scheiden In Porzellan- und Falbenschecken, In Goldfüchs' und in Eisenschimmel, Die vor den Wagen schreiten mächtig. Ohn' Ende tief bedächtig, Denkt er der Ross', und die sind prächitg. Gar wolgenährte Hengste weiden Auf der Gemarkung freien Haiden; Gar wolgenährte, die sich scheiden In Fliegenschimmel, Apfelschimmel, In Braune und in Tigerschimmel, Die vor den Wagen geh'n geschlossen. Bedenkend unverdrossen, Denkt er der Ross', die hochaufschossen. Gar wolgenährte Rosse weiden Auf der Gemarkung freien Haiden; Gar wolgenährte, die sich scheiden In Falbe und Muskatenschimmel, In Weißfuß' und in Glasgeaugte, Die kräftig rennen vor den Wagen. Ohn' Arg im Sinn zu tragen, Denkt er der Ross', und diese jagen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 499f. -
Jiong zhuo 泂酌: Mahnung an den König (Anonymous (Shijing))
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Wer fernher Wasser von der Straße schöpft, Und gießt es ab und gießt es um, Kann Hirs' und Reiß darin bereiten. Ein freundlich mildgesinnter Fürst Ist Vater, Mutter allen Leuten. Wer fernher Wasser von der Straße schöpft, Und gießt es ab und gießt es um, Kann Trinkgefäße mit ihm klären. Ein freundlich mildgesinnter Fürst, Zu dem wird alles Volk sich kehren. Wer fernher Wasser von der Straße schöpft, Und gießt es ab und gießt es um, Kann damit waschen, damit reinen. Ein freundlich miildgesinnter Fürst Wird all' sein Volk in Ruh' vereinen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 423. -
Jiu mu 樛木: Thai-sse's Liebe (Anonymous (Shijing))
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Im Süden stehen Hängebäum' Und Ko-Gerank umschlinget sie. Sie freut sich nur des hohen Manns, Und Glücks Füll' umringet sie. Im Süden stehen Hängebäum' Und Ko-Gerank bedeckt sie. Sie freut sich nur des hohen Manns, Und Glückes Fülle schmecket sie. Im Süden stehen Hängebäum', Und Ko-Gerank umwindet sie. Sie freut sich nur des hohen Manns, Und Glückes Fülle findet sie.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 69. -
Jiu yu 九罭: Des Tscheu-Fürsten Weilen im Ostlande und sein Rückberufung (Anonymous (Shijing))
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Im neunmal weiten Fischernetz sind Karpf' und Schlei'. Nun sehen wir den hohen Herrn Im Königskleid mit Stickerei! – "Die Wildgans fliegt um Inselein. Kehrt nicht der Fürst zum Platz, der sein? Bei euch noch einmal spricht er ein. "Die Wildgans fliegt zum Hochland her. Der Fürst geht ohne Wiederkehr; Bei euch noch einmal rastet' er." – O darum hat er dieses königliche Kleid! O nicht gescheh's, daß unser Fürst von hinnen scheid'! O nicht bereit' er unsern Herzen dieses Leid!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 249. -
Juan a 卷阿: Fürst Schao's Gesang an den König Tschhing (Anonymous (Shijing))
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Am eingebog'nen Bergeshang Kam frischer Süd geweht in Menge. Der freundlich mildgesinnte Fürst Luftwandelte dabei und sang; Und dazu bracht' ich diese Klänge: Luftwandle du mit fröhlichem Behagen, Zufrieden wandle hin bei Ruhetagen, O freundlich mildgesinnter Fürst! Und mögst du so vollenden deinen Lauf, Wie ihn die Fürsten vor dir ausgetragen. Dein Länderkreis ist groß und hochberühmt, Gar viel des Guten wird dir zugeführet, O freundlich mildgesinnter Fürst! Und mögst du so vollenden deinen Lauf, Wie dir's als aller Geister Wirth gebühret. Das Amt empfingst du, lange vorbeschieden, Das Glück, die Segnung wurde dir in Frieden, O freundlich mildgesinnter Fürst! Und mögst du so vollenden deinen Lauf, Daß reines Glück dir immer sei hienieden. Du hast die Helfer, hast die Stützen, Die treu und tugendsam dich schützen, Um dich zu leiten, dich zu stützen; O freundlich mildgesinnter Fürst, Du sollst dem Reich zum Muster nützen. Mit Ehrenvollen, Würdereichen, Mit Scepter, mit Halbscepter-Gleichen, Mit Hochberühmten, Hoffnungsreichen, – O freundlich mildgesinnter Fürst, Bist du des Reiches Führungszeichen. Das Phönixpaar hat sich erschwungen, Sein Flügelrauschen ist erklungen, Es fliegt herab nach seinem Ziel. Der königlichen wackern Diener sind gar viel, Dem hohen Herrn bestellt am Thron, Die liebend schau'n zum Himmelssohn. Das Phönixpaar hat sich erschwungen, Sein Flügelrauschen ist erklungen, Es steigt hinauf zu Himmelshöh'n. Viel sind der königlichen wackern Leut' erseh'n, Dem hohen Herrn zu Dienst zu steh'n, Die liebevoll auf Alle seh'n. Es tönt des Phönixpaar's Gesang Vom Gipfel hoch in's Weite her; Die Herzblatt-Albe wächst entlang An Berges Morgenseite her – In grüner Fülle prächtiglich – In Harmonie'n einträchtiglich. Des hohen Herren Wagen sind Gar viele und gar mancherlei; Der hohen Herren Rosse sind Gar wolgeübt und schnell dabei. – Ich fügt', an Lied nur wenig bei, Daß dein Gesang erweitert sei. ––
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 424-426. -
Juan er 卷耳: Liebeslied (Anonymous (Shijing))
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Ich pflückte, pflückte Kletterkraut, noch füllt es nicht des Korbes Bord, da dacht' ich seufzend auch an ihn – und auf den Heerweg warf ich's fort. Ich fuhr auf jene Felsenzinnen, kaum von den Rossen zu gewinnen, da laß ich mir den Trunk aus jenem Goldkelch rinnen, um nur nicht endlos schmerzlich nachzusinnen. Ich fuhr auf jene Bergeszinken, die Ross' entfärbten sich im Hinken, darum mußt' ich wohl aus jenem Nashornbecher trinken, um nur in Gram nicht endlos zu versinken. Ich fuhr auf jenen Klippenhang, bis jedes Roß entkräftet sank, bis alle meine Diener krank – O weh! Wie seufz' ich schon so lang'!–
in: Wentzel, Julius. Am Liederquell der Völker. Die klassische Lyrik der Weltliteratur. Leipzig: R. Voigtländer's Verlag, 1912. p. 8. -
Juan er 卷耳: Sehnsucht nach dem gernen Gemahl (Anonymous (Shijing))
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Ich pflückte, pflückte Klettenkraut, Noch füllt' es nicht des Korbes Nord, Da dacht' ich seufzend ach an Ihn – Und auf den Heerweg warf ich's fort. Ich fuhr auf jene Felsenzinnen, Kaum von den Rossen zu gewinnen. Da ließ ich mir den Trunk aus jenem Goldkelch rinnen, Um nur nicht endlos schmerzlich nachzusinnen. Ich fuhr auf jene Bergeszinken, Die Roß' entfärbten sich im Kinken. Drum mußt' ich wol aus jenem Nashornbecher trinken, Um nur in Gram nicht endlos zu versinken. Ich fuhr auf jenen Klippenhang, Bis jedes Roß entkräftet sank, Bis alle meine Diener krank – O weh, wie seufz' ich schon so lang!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 68. -
Jun zi jie lao 君子偕老: Weibliche Üppigkeit (Anonymous (Shijing))
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Die bei dem hohen Gatten altert, Sechs Nadeln nur als Schmuck im Haar, Die tritt gar schön und stattlich dar; Dem Berg, dem Strome gleicht sie gar; Ihr Staatskleid stets geziemend war. Doch an dem unehrbaren Weibe, Was nimmt man wol an dieser wahr? Wie strahlend, oh, wie strahlend, oh, Ist ihres Festgewandes Schein! Die schwarzen Haare sind wie Wolken, Die Locken unächt obendrein; Von Edelstein die Ohrgebimmel, Die Kämme nur von Elfenbein, Und oh die hohe Stirne, wie so weiß und fein! Ach, ja, sie muß wol völlig gleich dem Himmel, Muß völlig gleich dem höchsten Herren sein! Wie prächtig, oh, wie prächtig, oh, Ist die in ihren Hofgewändern! Da hüllen Gaz' und Flor sie sein, Die aufgebunden sind mit Bändern. Die Augenränder strahlen ihr – O welche Pracht an ihren Augenrändern! Ha, offenbarlich ist ein Weib wie die Die Allerschönst' in allen Ländern!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 118. -
Jun zi yang yang 君子陽陽: Freude nach glücklicher Heimkehr des Gemahls (Anonymous (Shijing))
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Nun ist mein Herr in Freudenröthe, Die Linke hält die Flöte, Auf daß die Rechte mich hinein entböte – O diese Seligkeit, ahi! Nun ist mein Herr im Freudenblinke, Die Federn hält die Linke, Auf daß die Rechte mir zum Eintritt winke – O diese Seligkeit, ahi!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 145. -
Jun zi yu yi 君子于役: Bei langer Entfernung des Gemahls (Anonymous (Shijing))
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Mein hoher Herr ist fort im Dienst; Weiß nicht, wie lang er hat zu thun; Und wohin kam er nun? Es schläft in seinem Stall das Huhn, Es geht der Tag dem Abend zu, Und Schaaf und Rind kehrt heim zu ruhn. Mein hoher Herr ist fort im Dienst, – Wie sollt' ich sein denn nicht gedenken nun? Mein hoher Herr ist fort im Dienst – Nicht Tagen bloß, nicht Monden nach. Wann kehrt er heim in sein Gemach? Es schläft das Huhn auf seinem Fach, Es geht der Tag dem Abend zu, Und Schaaf und Rind kommt unter Dach. Mein hoher Herr ist fort im Dienst, – Leid't er nicht Durst und Hunger, ach!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 144. -
Kai feng 凱風: Selbstanklage ungerathener Söhne (Anonymous (Shijing))
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Von Süden her der sanfte Wind, In's Herz der Dornen haucht er lind, Und lieblich grünt der Dornen Herz; – Die Mutter quälet Sorg' und Schmerz. Von Süden her der sanfte Wind, In's Holz der Dornen haucht er zart; Die Mutter ist so weis' und gut, Doch wir sind Menschen schlimmer Art. Wol giebt es einen kühlen Born, Der unter Siün entquillt im Thal; Doch ihrer sieben Söhne giebt's, Die sind der Mutter Sorg' und Qual. Der gelben Vögel schöner Sang Ertönt gar lieblich allerwärts; Doch ihrer sieben Söhne giebt's, Die trösten nicht der Mutter Herz.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 101. -
Kao pan 考槃: Freude der Einsamkeit (Anonymous (Shijing))
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Einsamkeit am Bach im Thal Ist des Hohen heitre Wahl. Einsam schläft er, wacht und spricht; Schwört, allzeit vergess' er's nicht. Einsamkeit am Bergeshang Ist des Hohen freud'ger Drang. Einsam schläft er, wacht mit Sang; Schwört, nicht lass' er's lebenslang. Einsamkeit auf Gipfelhöh' Ist des Hohen Wonnenpfand. Einsam schläft er, wacht, hält Stand, Schwört, er thu' es nie bekannt.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 130. -
Kui bian 頍弁: Beim Königsmahle für Blutsfreunde und Verschwägerte (Anonymous (Shijing))
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Mit aufgesetzten Lederhauben – Ei traun, wer mögen die doch sein? Da deine Weine so vortrefflich Und deine Speisen ungemein: Wie wären dieß denn fremde Leute? Die Brüder sind's; nicht Andre, nein! Die Riemenblum', das Fadenmoos Umschlingen Fichten und Cnpressen. Eh' sie den hohen Herrn geseh'n, Wollt' ihre Herzen Leid zerpressen; Nun sie den hohen Herrn geseh'n, Kam Fried' und Freud' an Stelle dessen. Mit aufgesetzten Lederhauben – Ei traun, wer sind doch solcherlei? Da deine Weine so vortrefflich Und deine Speisen tadelfrei, Wie wären dieß denn fremde Leute? Nein, alle Brüder kamen bei. Die Riemenblum', das Fadenmoos Umschlingen auch die höchsten Fichten. Eh' sie den hohen Herrn geseh'n, Wollt' ihre Herzen Leid vernichten; Nun sie den hohen Herrn geseh'n, Begann ihr Muth sich aufzurichten. Mit aufgesetzen Lederhauben – Ei traun, die auf dem Haupt' im Saal? Da deine Weine so vortrefflich, Und deiner Speisen solche Zahl: Wie wären dieß denn fremde Leute? Nein, Brüder, Schwäger allzumal! Doch wenn der Schnee will niedergeh'n, Er ballt sich erst und fällt als Schlossen. Tod und Verlust hat keinen Tag, Ihr seht nicht lang' euch als Genossen. Heut' Abend freuet euch des Weins! Auf, hohe Herrn, das Mahl genossen!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 360f. -
Lai 賚: Zu Ehren König Wen's (Anonymous (Shijing))
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Was König Wen so mühevoll erstrebt, Wir haben es mit Recht empfangen. Verbreiten wir's, sein stets gedenk! Uns laß nur suchen, es zu festigen. Er hat das Amt an Tscheu gebracht; O, stets bleibt sein gedenk!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 497. -
Lang ba 狼跋: Des Tscheu-Fürsten ruhige Großheit, als er verläumdet war (Anonymous (Shijing))
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Der Wolf giebt seiner Wamme Stoß, – Dann stürzt er seinem Schweife zu. Der Fürst wich sanft und schön und groß; Gelassen stand der rothe Schuh. Der Wolf stürzt seinem Schweife zu, – Dann giebt er seiner Wamme Stoß. Der Fürst wich sanft und schön und groß; Sein Jugendruhm bleibt makellos.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 250. -
Liang si 良耜: Der Landbau nochmals (Anonymous (Shijing))
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Mit blanken Pflugschar'n, schneidig wackern, Beginnt das Werk auf Mittagsackern. All' ihr Getreide fä'n sie drein, Und jedes Korn schließt Leben ein. Dann kommen zu euch Andre mehr Mit Kobern und mit Körben her, Die sind von Hirsespeisen schwer. Und die im leichten Bambushut, Die schärften ihre Karte gut, Zu reuten Lolch und Nesselbrut. Vermodern Lolch und Nesseln dann, So wächst die Hirse reich heran. Wie rauscht der Schnitter Schneiden d'rauf, Wie legen sie es dicht zuhauf! Es ragt empor wie eine Mauer, Und wie ein Kamm steht Schauf an Schauf, Und alle Käufer thun sich auf. Gefüllt sind alle Häuser nun, Und Weib und Kinder dürfen ruhn. Nun schlachten wir den gelben Stier, Der sein gekrümmtes Korn gewann, Um gleicherweis zu thun fortan, Wie's auch die Alten fortgethan.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 493. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 234.
Note that the title in "Lyrik des Ostens" is "Der Landbau". -
Lie wen 烈文: Der König an die Opferhelfer (Anonymous (Shijing))
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Ihr hocherlauchten edlen Fürsten, Ihr habt mir dieses Glück gewährt, Mir unbegränzte Güt' erwiesen, Was Enkel noch bewahren mögen. Wenn ihr nicht geizet und nicht schwelgt in euren Landen, So wird euch euer König ehren; Und dieses großen Diensts gedenk, Die Würden euerer Nachfolger mehren. Nichts ist so mächtig als ein Mann; Das ganze Reich vermag er zu belehren. Nichts ist so herrlich als die Tugend; Zum Vorbild dienet sie für alle Fürsten. O unvergessen sind die frühern Könige.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 470. -
Lie zu 烈祖: Gleichfalls beim Ahnenopfer für König Thang (Anonymous (Shijing))
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O, o der hocherlauchte Ahn, Von dem wir Segen stets empfahn! Er schenkt ihn wieder unbegränzt, Und will an diesem Ort dir nahn. Der klare Wein ist eingeschenkt, Der Aussicht unser'm Hoffen leiht; Auch giebt es wolgemischte Brühe, Schon zugerichtet, schon bereit. Wir laden wortlos ihn, zu nahn; Hier giebt es keine Streitigkeit. Er segnet uns mit greisen Brauen, Mit grauem Alter, unbegränzt. Mit Nabenband und Jochschmuck fein, Mit Klingeln der acht Glöckelein, So treffen sie zum Opfer ein. Das hohe mächt'ge Amt sollt' unser sein. Der Himmel sandte Frieden drein Und reiche Jahre voll Gedeih'n. Er kommt, er nimmt die Opferweih'n, Um endlos Segen zu verleih'n. Sei uns'rer Opfer denn gedacht, Von Thang's Nachkommen dargebracht!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 512. -
Lin zhi zhi 麟之趾: Lob der Güte von König Wen's Nachkommen und Verwandten (Anonymous (Shijing))
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Des Einhorn Fuß ist lind; So unsres Fürsten Söhne sind. Ach ja, das Einhorn sind sie, oh! Des Einhorns Stirn ist gut; So All' aus unsres Fürsten Blut. Ach ja, das Einhorn sind sie, oh! Des Einhorns Horn ist zart; So unsres Fürsten ganze. Art. Ach ja, das Einhorn sind sie, oh!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 77. -
Ling tai 靈臺: Die prächtigen Bauten und Anlagen des Königs Wen (Anonymous (Shijing))
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Als er den Wunderthurm ersonnen, Ersonnen und den Plan gemacht, Hat alles Volk sich dran begeben; Kein Tag – und Alles war vollbracht. Anhub er mit: "Nicht hastet euch!" Doch alles Volk kam, Kindern gleich. Im Wunderpark der König war, Wo Hirsche ruhten Paar bei Paar, Gar fette Hirsche, glatt von Haar, Und weiße Vögel glänzten klar. Der König war am Wunderteiche; Wie wimmelte der Fische Schaar! Am bunten Rechen über Stangen Sah Pauken man und Glocken hangen. Wie Pauk' und Glock' harmonisch klangen! Wie froh vom Inselsaal empfangen! Wie Pauk' und Glock' harmonisch klangen, Wie froh vom Inselssal empfangen, Wenn Kläng' aus Eidechspauken drangen, Die Blinden spielten nach Verlangen!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 406. -
Liu yue 六月: Der siegreiche Feldzug gegen die Hian-jün unter dem Feldherrn Ki-fu (Anonymous (Shijing))
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Im sechsten Mond war heißer Drang. Streitwagen waren schon im Stande, Manch Spann von Hengsten stampft' und sprang, Gepackt war Rüstung sammt Gewande. Die Kian-jün waren wild entflammt, Und wir drum in der Teile Brande. Der König schickt' in's Feld das Heer, Um zu befrei'n des Königs Lande. Gleichkräftig waren je vier Rappen, Geschult, wie es zu Maße steht. Schon war in jenem sechsten Monde Bestellet unser Kriegsgeräth. Als unser Kriegsgeräth bestellt, Galt's dreißig Feldwegs täglich schreiten. Der König schickt' ein Heer in's Feld, Um für den Himmelssohn zu streiten. Die Hengstgespanne, lang und stark, Mit hoch erhobnen Häuptern gingen. So brach man auf die Kian-jün ein, Um große Thaten zu vollbringen. Man war gestreng, man war gewandt, Und that den Dienst mit tapfrer Hand; Man that den Dienst mit tapfrer Hand, Um zu befrei'n des Königs Land. Die Kian-jün hatten unbedacht Sich Triao und Huo zu Herrn gemacht Und überwältigt Hao und Fang Des Kingstroms Nordgestad' entlang, Als man das Vogelbanner schwang, Und weiße Bänder wallten lang, Und zehn gewalt'ge Kriegswagen, Voran, eröffneten den Gang. Fest zeigten sich die Kriegswagen, Man sah sie vorn wie hinten ragen. Die Hengstgespanne waren stark, Stark und geschult für alle Lagen. Geworfen ward das Hian-jün-Volk, Bis nach Thai-juän zurückgeschlagen. Für alle Land' ein Vorbild ist Ki-fu in Kriegs und Friedens Tagen. Nun schmaußt Ki-fu in Fröhlichkeit; Ein großes Glück war ihm bereit. Er ist zurückgekehrt von Hao, Und unser Marsch war lang und weit. Er lud die Freund' auf Essenszeit Zu Schildkrötenbraten, Karpfenschneidt; Und wer ist drinnen nun bei ihm? – Tschang-tschung voll Sohnes Zärtlichkeit.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 283f. -
Lu e 蓼莪: Der Elternlose (Anonymous (Shijing))
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Hoch wuchs sie auf, die Stabwurz da, – Nicht Stabwurz, Rainsarn sollt' es sein. Ach, ach, mein Vater, meine Mutter! Ihr zogt mich auf mit Müh' und Pein. Hoch wuchs sie auf die Stabwurz da – Nicht Stabwurz, 's ist nur Zitwergrün. Ach, ach, mein Vater, meine Mutter! Ihr zogt mich auf mit Noth und Müh'n. Des Trinkgeschirres Leere, ach, Sie ist ja nur der Flasche Schmach. Zu leben als Verwaister – O besser, wenn man längst dem Tod erlag! Wer vaterlos, wem soll er trau'n? Wer mutterlos, wem fragt er nach? Aus geht er, und er drückt ihn schwer, Kehrt heim, und Keinen findet er. O Vater, und du zeugtest mich, O Mutter, und du säugtest mich; Ihr streicheltet, ihr nährtet mich, Erzoget mich, belehrtet mich, Umwachtet mich, umwehrtet mich, Trugt, wenn ihr gingt und kehrtet mich! O könnt' ich euch die Güte danken, Den hohen Himmel ohne Schranken! Schroff ragt des Südgebirgs Gestein, Und grimmig braust der Wind darein. Im Volk ist keiner unbeglückt; Warum bin elend ich allein? Rauh starrt das Südgebirg daher, Es braust der Wind und wüthet sehr. Im Volk ist keiner unbeglückt, Nur ich allein vermag nichts mehr.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 334f. -
Lu ling 盧令: Die Jagdhunde und der Jäger (Anonymous (Shijing))
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Die Meute klingelt hin; Ihr Herr ist schön und von gar edlem Sinn. Die Meute geht gepaart; Ihr Herr ist schön und stattlich ist sein Bart. Die Meut' hat Doppelringe; Ihr Herr ist schön und tüchtig aller Dinge.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 183. -
Lu ming 鹿鳴: Festlied zur Bewirthung königlicher Minister (Anonymous (Shijing))
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Der Hirsch der lockt mit frohem Laut, Er ißt des Waldes würzig Kraut. Gar edle Gäste hab' ich hier. Die Harfe schallt, die Pfeife klingt, Die Pfeife klingt, ihr' Zünglein schwingt; Der Gabenkorb Geschenke bringt. Denn Männer sind es, die mich lieben, Mir zeigen, welcher Weg gelingt. Der Hirsch der lockt mit frohem Laut, Er ißt des Waldes süßes Gras. Gar edle Gäste hab' ich hier; Ihr Tugendlob, wie glänzet das! Es zeigt dem Volke: seid nicht laß! Die hohen Männer sind das Vorbild, sind das Maß. Hier hab' ich auserles'nen Wein, Deß freuen sich die edlen Gäste desto baß. Der Hirsch der lockt mit frohem Laut, Er ißt des Waldes grün Gerank. Gar edle Gäste hab' ich hier Bei Harfenschall und Lautenklang. Bei Harfenschall und Lautenklang Weilt holde Freude doppelt lang'. Hier hab' ich auserles'nen Wein, Daß in der edlen Gäste Herzen Freude geh' in Schwang.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 253f. -
Lu xiao 蓼蕭: Des Königs Lied bei Bewirthung der Lehnsfürsten (Anonymous (Shijing))
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Wie schießt der Wermuth hoch empor, Vom reichsgefall'nen Thau genetzet! Nun seh' ich hier die hohen Herrn, Daß sorgenfrei mein Herz sich letzet. So schmauset denn und lacht und schwätzet! Damit ihr heiter und behaglich euch ergetzet. Wie schießt der Wermuth hoch empor, Von reichgefall'nen Thaues Nässen! Nun seh' ich hier die hohen Herrn, Kann Gunst und Glanz daran ermessen. Die Tugend makellos besessen, Die leben lang' und nievergessen! Wie schießt der Wermuth hoch empor, Von reichgefall'nem Thau geflossen! Nun seh' ich hier die hohen Herrn, Des Festmahls freudige Genossen. So bleib' ihr Bruderbund geschlossen! Froh leben lang' der Tugend Sprossen! Wie schießt der Wermuth hoch empor, Der reichgefall'nen Thau empfangen! Nun seh' ich hier die hohen Herrn, Sah ihre Zäum' und Zügel hangen, Dran wolgestimmt die Schellen klangen. Mög' alles Heil auf sie gelangen!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 278f. -
Lü yi 綠衣: Klage der zurückgesetzten Gemahlin (Anonymous (Shijing))
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Grün sind, ach, die Kleider, ach! Grün von außen, gelb von innen. Meines Herzens. Kümmerniß, Ach wie könnte die zerrinnen? Grün sind, ach, die Kleider, ach! Außen grün, darunter gelbe. Meines Herzens Kümmerniß, Wie vergäß' ich je dieselbe? Grün sind, ach, die Seiden, ach! So war's dein Entscheiden, ach! Ich gedachte stets der Alten, Jede Schuld zu meiden, ach! Flortuch, ach, und Nessel, ach, Sind dem frost'gen Wind' ein Scherz. Ich gedachte stets der Alten, Und so find' ich noch mein Herz.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 94. -
Mao qiu 旄丘: Klage der Räthe von Li über die Räthe von Wei wegen nicht geleisteten Beistandes (Anonymous (Shijing))
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Das Ko an seiner Bergeshalden Flanken, Wie weit hinaus erstreckt es seine Ranken! Und o ihr Räthe, jung und alt, Wie viele Tage schon versanken! Warum sie sich nicht regen, ja? Sie sehn wol Hülf' entgegen, ja! Warum sie Aufschub machen, ja? Sie haben wol Ursachen, ja! Schon sind die Fuchspelz' abgetragen; Sind nicht im Osten unsre Wagen? Und o ihr Räthe, jung und alt, Ihr scheinet nichts nach uns zu fragen! Ein schwacher Rest, die Letzten schier, Sind der Zerstreuung Kinder wir; Und o ihr Räthe, jung und alt, Ihr prunkt verstopften Ohres hier!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 107. -
Mian 綿: Die Anfänge von Tscheu (Anonymous (Shijing))
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Der Kürbiß wächst, man merkt nicht, wie. Des Volks Beginn ist ausgegangen Vom Land der Flüsse Ts'hiu und Ts'hi. Das war zur Zeit Altfürst Tan-fu's, Erdgruben, Höhlen wölbten sie; Wohnhäuser hatten sie noch nie. Altfürst Tan-fu, beim Morgengrauen Auf flücht'gem Roßgespann zu schauen, Kam längs der Westgewässer Auen Bis an des Khi-Bergs untre Gauen; Da kam er hin mit Kiang, der Frauen, Um dori mit ihr sich anzubauen. Die Eb'ne Tscheu's war fett für Saaten, Gleich Zucker Wurzeln und Salaten. Hier hub er an, hier ward berathen, Hier unsre Schildkröt' angebraten. Es hieß: bleibt steh'n! 's ist Zeit zu Thaten. Hier nehmt zum Häuserbau'n die Spaten! Da schafft' er Ruh', da Stillestand, Da linker Hand, da rechter Hand, Da setzt' er Mark, da Rain und Rand, Da wies er an, da gab er Land, Indem vom Westen bis nach Osten Er rings des Werks sich unterwand. Dann rief den Vorstand er der Bauten, Dann rief den Vorstand er der Frohnen, Und hieß sie Häuser bau'n zum Wohnen. Die haben's nach der Schnur gerichtet, Zur Füllung Plankenholz geschichtet, Den Ahnensaal mit Pracht errichtet. Lehm schleppten ganze Schaaren her, Und warsen ein und lärmten sehr, Und stampften fest, wie Der so Der, Und putzten glatt die Kreuz und Quer. Manch' Hundert Wänd' erstand umher. Die Großpauk' überklang's nicht mehr. Dann setzten sie das Außenthor; Das Außenthor war hoch umfangen. Dann setzten sie das Binnenthor, Das Binnenthor mit stolzem Prangen. Dann setzten sie den Erdaltar, Wo soviel Großes ausgegangen. Hatt' er auch nicht vertilget seine Hasser, So ward er doch für seinen Ruhm nicht lasser. Gerodet wurden Dorn und Eichen, Gangbare Wege sah man streichen. Die wilden Kuan, sie mußten weichen, Und fortgescheucht von dannen keichen. Als Ju und Sjui sich in Vergleich begeben, Und König Wen erregt ihr wahres Leben, Da, sag' ich, ist das Ferne hergenaht, Da, sag' ich, folgte nach was vor ihm trat, Da, sag' ich, lief sein Preis auf jedem Pfad, Da, sag' ich, hatt' er Wehr vor Feindesthat.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 395-397. -
Mian man 綿蠻: Der Marode (Anonymous (Shijing))
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Gelbvögelein mit süßem Sang Sitzt an des Hügels Bug im Grün. O dieser Weg, wie ist er lang! Und was vergleicht sich meinen Müh'n? O speiset mich und tränket mich! Belehret mich und lenket mich! Gebietet, daß ein Folgenwagen Mit einem Sitz bedenket mich! Gelbvögelein mit süßem Sang Sitzt auf des Hügels Kante dort. Wie wagt' ich es, den Marsch zu scheu'n? Doch fürcht' ich, ich kann nicht mit fort. O speiset mich und tränket mich! Belehret mich und lenket mich! Gebietet, daß ein Folgewagen Mit einem Sitz bedenket mich! Gelbvögelein mit süßem Sang Sitzt an der Seite von dem Bühl. Wie wagt' ich es, den Marsch zu scheu'n? Doch fürcht' ich, ich kann nicht an's Ziel. O speiset mich und tränket mich! Belehret mich und lenket mich! Gebiet, daß ein Folgewagen Mit einem Sitz bedenket mich.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 381. -
Mian shui 沔水: Klage über die Theilnahmlosen in den Wirren der bösen Zeit (Anonymous (Shijing))
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Die Hochgeschwoll'nen Stromgewässer, Sie zieh'n zum Hofempfang in's Meer. Der Sperber, allerschnellsten Fluges, Bald schwebt er hin, bald rastet er. Ach, unter allen meinen Brüdern, Landsleuten, Freunden allumher Läßt Keiner sich die Wirren kümmern! Wer hat denn nicht die Eltern mehr? Die hochgeschwoll'nen Stromgewässer, Sie wogen immer höher an. Der Sperber, allerschnellsten Fluges, Bald schwebt er, schwingt sich bald hinan. Gedenk' ich jener Ausgeschritt'nen, Auf fahr' ich dann, fortschreit' ich dann. Ach daß ich meines Herzens Kummer Nicht abthun und vergessen kann! Der Sperber, allerschnellsten Fluges, Schwebt mitten um die Höh'n darein. Beim nichtigen Geschwätz des Volkes, Weswegen tritt da Niemand ein? Wenn meine Freunde Sorge trügen, Würd' auch noch dann Verläumdung sein?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 293. -
Min lao 民勞: Mahnung an die Beamten in schlimmer Zeit (Anonymous (Shijing))
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Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Um etwas leichter könnt's ihm sein. Thut Gutes dieser Landesmitte, Das wird dem Reiche Ruh' verleih'n. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das treibt die Schlechtgesinnten ein. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Die selbst das helle Licht nicht scheu'n. Seid mild den Fremden, helft den Nächsten, Dann wird des Königs Macht gedeih'n. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Um etwas helfen könnte man. Thut Gutes dieser Landesmitte, Das zieht das Volk an sie heran. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das thut's den wirren Schwätzern an. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Und löst dem Volk des Leidens Bann. Entziehet euch nicht euern Mühen, Daß Ruh' dem König werden kann. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Um etwas besser könnt' es steh'n. Thut Gutes diesem Königsitze, Dann wird das Reich auch Ruhe seh'n. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das wehrt den Übermüthigen. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Daß Schändlichkeiten nicht gescheh'n. Bewahrt ein würdiges Verhalten, Auf daß die Guten mit euch geh'n. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, – Etwas zu mildern wär' sein Loos. Thut Gutes dieser Landesmitte, Dann wird das Volk des Jammers los. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das stellt die argen Heuchler bloß. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Daß man das Recht nicht niederstoß'. Und seid ihr auch nur kleine Kinder, Ist euer Dienst doch hoch und groß. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Zu lindern wär's doch etwas mehr. Thut Gutes dieser Landesmitte, Das stellt das Land von Schäden her. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das wehret dem Schmarotzerheer. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Daß sich das Recht nicht ganz verkehr'. – Der König wünscht, ihr wär't Juwelen; Deßhalb ermahn' ich euch so sehr.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 427f. -
Min yu xiao zi 閔予小子: König Tschhing's erstes Ahnenopfer nach der Trauerzeit (Anonymous (Shijing))
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Bekümmert bin ich kleines Kind; Unfertig fiel das Haus mir zu, – In meinem Schmerz allein gelassen. O mein verklärter Vater du, Du übelst Sohnspflicht immerzu. Du hielt'st im Sinn den hohen Ahnen, Der im Palast geht aus und ein. Und so will auch ich kleines Kind Bei Tag und Nacht voll Ehrfurcht sein. O du erhabnes Königspaar, Vergessen will ich nie, daß ich dein Folger war.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 487. -
Mu gua 木瓜: Vergeltung (Anonymous (Shijing))
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Melonen reichte deine Hand mir hin; Vergelte dir dafür denn ein Rubin. Doch nicht vergelt' er's, nein! Stets dein dafür soll meine Liebe sein. Du reichtest Pfirsich mir aus deiner Hand; Vergelte dir dafür ein Diamant. Doch nicht vergelt' er's, nein! Stets dein dafür soll meine Liebe sein. Du reichtest mit der Hand die Pflaume mir; Vergelte dir dafür denn ein Sapphir. Doch nicht vergelt' es', nein! Stets dein dafür soll meine Liebe sein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 141. -
Mu men 墓門: Vergebliche Warnung (Anonymous (Shijing))
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Sind Dornenbüsch' am Thor der Gruft, So haut man sie mit Äxten um. Und Jener, nein, er ist nicht gut; Die Leut' im Lande wissen drum. Sie wissen's, er läßt nicht davon, Und so von jeher war er schon. Sind Pflaumenbäum' am Thor der Guft, So sieht man Eulen dahin zieh'n. Und Jener, nein, er ist nicht gut; Ich singe, um zzu warnen ihn. Und wird umsonst mein Warnen sein, - Nach seinem Sturze denkt er mein.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 225. -
Na 那: Beim Opfer zu Ehren König Thang's (Anonymous (Shijing))
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O siehe, ha! wie reichlich, ha! Handpauken, Pauken, aufgestellt. Die Pauken dröhnen kräftiglich, So unser'm hehren Ahn gefällt. Thang's Enkel ladet ihn, zu nah'n, Auf daß er unser Hoffen kröne. Handpauken, Pauken schallen tief, Und hell dazu der Pfeifen Töne. Sie stimmen wol und passen schöne; Drein hallen uns'rer Klingstein' Töne. Ach, herrlich ist der Enkel Thang's, Und wunderprächtig sein Getöne! Laut schallen Pauken, Glocken hier; Tanz mannigfalt hat hohe Zier. Gar edle Gäste haben wir. Sind sie nicht froh und heiter hier? Von jeher und von Alters thät Das Vorgeschlecht dergleichen stät, Hold und gewärtig früh und spät Den Dienst zu thun voll Pietät. Werd' uns'rer Opfer denn gedacht, Von Thang's Nachkommen dargebracht!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 510f. -
Nan shan 南山: Unerlaubte Leidenschaft (Anonymous (Shijing))
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Auf Südgebirges hohen Zinnen Wird sein der Fuchs so einsam innen. Der Weg nach Lu geht gradhinaus; Den zog die Tochter Thsi's von hinnen; Und zog sie ihn einmal von hinnen, Was kannst du denn auf sie sinnen? Von Zeugschuh'n giebt's fünf Paar zu reihen, Hutbänder trägt man auch zu zweien. Der Weg nach Lu geht gradhinaus; Den hat die Tochter Thsi's genommen; Und hat sie ihn einmal genommen, Wie kannst du denn an sie noch kommen? - Den Hanf zu sä'n, wie fängt man's an? Man pflügt sein Feld hinab hinan. Ein Weib zu frei'n wie fängt man's an? Man geht darum die Eltern an. Und da sie angegangen waren, Wie darfst du ihr denn so willfahren? Das Holz zu hau'n, wie fängt man's an? Nicht ohne Beil kann man es zeigen. Ein Weib zu frei'n, wie fängt man's an? Ohn' Werberin wird's nicht dein eigen. Und ward sie nur einmal dein eigen, Wie kannst du denn zum Ärgsten schweigen?–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 180f. -
Nan shan you tai 南山有臺: Festgruß des Fürsten an seine Minister (Anonymous (Shijing))
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Am Südberg ist Thaikraut zu sehen Und Melde an des Nordbergs Höhen. Ich freue mich der würd'gen Herrn, Die unserm Staat als Säulen stehen. Ich freue mich der würd'gen Herrn; Sie leben lang' und ohn' Vergehen! Den Südberg Maulbeerbäume kränzen, Am Nordberg Pappelweiden lenzen. Ich freue mich der würd'gen Herrn, Die unserm Staat als Lichter glänzen. Ich freue mich der würd'gen Herrn; SIe leben lang' und ohne Gränzen! Den Südberg sieht man Mispeln hegen, Und Pflaumen bei des Nordbergs Wegen. Ich freue mich der würd'gen Herrn, Die unsres Volks als Väter pflegen. Ich freue mich der würd'gen Herrn; Stets bleib' ihr Tugendruhm in Segen! Der Südberg läßt Wachholder schauen, Am Nordberg kann man Eschen hauen. Ich freue mich der würd'gen Herrn; Sind altersgrau nicht ihre Brauen? Ich freue mich der würd'gen Herrn; Ihr Tugendruhm füll' alle Gauen! Birnelsen sich am Südberg halten, Mausgranten bei des Nordbergs Spalten. Ich freue mich der würd'gen Herrn; Sind sie nicht grei und voller Falten? Ich freue mich der würd'gen Herrn. Mögt ihr euch Nachgeschlecht erhalten!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 276f. -
Nan you jia yu 南有嘉魚: Lied beim Gastmahle (Anonymous (Shijing))
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Edle Barben sind im Süden, Ei, wie man sie fischt mit Netzen! Unser hoher Herr hat Wein, Edle Gäste durch Bewirthung zu ergetzen. Edle Barben sind im Süden, Ei, wie die sich Reusen fügen! Unser hoher Herr hat Wein, Edle Gäste durch Bewirthung zu vergnügen. Hängebäume sind im Süden, Dran Melonen auf sich winden. Unser hoher Herr hat Wein, Edle Gäste durch Bewirthung zu verbinden. Hin und her verflogne Tauben, Ei, wie sie zusamenschwirrten! Unser hoher Herr hat Wein, Edle Gäste immer wieder zu bewirthen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 275. -
Nü yue ji ming 女曰雞鳴: No title ("Die Frau die sagt: Da kräht der Hahn") (Anonymous (Shijing))
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Die Frau, die sagt: "Da kräht der Hahn!" Der Mann, der sagt: "Kaum Dämmerung wacht!" "Steh auf, mein Herr, beschau die Nacht! Der Morgenstern erglänzt in Pracht. Drum rege dich, drum rühre dich, Und geh' zur Gäns'- und Entenjagd. Und schossest du und tragest du, So richt' ich dir's geziemend zu, Geziemend trinken wir den Wein, Ich geh' mit dir ins Alter ein, Es klingen Laut' und Harfe drein, Und nicht fehlt Eintracht und Gedeih'n!–
in: Oehlke, Waldemar (ed.). Seele Ostasiens. Chinesisch-japanischer Zitatenschatz. Berlin: F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 1941. p. 80. –
in: Fink-Henseler, Roland W. (ed.). Brevier fernöstlicher Weisheit. Sprichwörter, Aphorismen und Gedichte aus Japan und China. Bayreuth: Gondrom Verlag, 1984. p. 87. -
Nü yue ji ming 女曰雞鳴: Die gute Hausfrau (Anonymous (Shijing))
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Die Frau die sagt: "Da kräht der Hahn!" Der Mann der sagt: "Kaum Dämmrung wacht!" - "Steh auf, mein Herr, beschau die Nacht! Der Morgenstern erglänzt in Pracht. Drum rege dich, drum rühre dich, Und geh zur Gäns- und Entenjagd. "Und schossest du und trafest du, So richt ich dirs geziemend zu, Geziemend trinken wir den Wein, Ich geh mit dir ins Alter ein, Es klingen Laut und Harfe drein, Und nicht fehlt Eintracht und Gedeihn. "Und weiß ich, wen du möchtest bei dir haben, Mit Gurtgehängen will ich sie begaben; Und weiß ich, daß sie williglich erschienen, Von meinen Gurtgehängen schenk ich ihnen; Und weiß ich, daß sie sich dir lieb gesellten, Mit Gurtgehängen will ich es vergelten."–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 161. –
in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 239. -
Pan shui 泮水: Lobgesang auf einen Fürsten von Lu (Anonymous (Shijing))
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Wie heiter ist die Halbkreisinsel, Auf der wir Eppich pflücken geh'n. Der Fürst von Lu ist angekommen, Sein Banner ist es, das wir seh'n. Sein Banner wallt in hellem Schein, Harmonisch klingeln Schellen drein; Und kommt nicht Groß, und kommt nicht Klein, Und folgt dem Fürsten hier herein? Wie heiter ist die Halbkreisinsel; Wir pflücken Kreuzkraut an ihr her. Der Fürst von Lu ist angekommen, Hoch schreiten seine Ross' einher. Hoch schreiten seine Ross' einher, Voll Glanz ist seines Namens Ehr'. Nun blickt er hold, nun lächelt er; Nichts Herbes ist in seiner Lehr'. Wie heiter ist die Halbkreisinsel; Wir sammeln Eibisch auf ihr ein. Der Fürst von Lu ist angekommen, Er trinkt im Halbkreissaale Wein. Mög' ihm der Trunk vom edlen Wein Zum höchsten Alter Kraft verleih'n. Wie er den hohen Weg hält ein, Mög' alles Volk ihm dienstbar sein. Gar herrlich ist der Fürst von Lu, Und strahlend seiner Tugend Glanz; Auf seine Würde sorgsam achtend, Ist er des Volkes Vorbild ganz. Im Frieden und bei Kriegesfahnen Erreicht sein Glanz die hehren Ahnen. Nie ohne Sohnesfrömmigkeit, Sucht er von selbst, sein Glück zu bahnen. Der Fürst von Lu ist hoch erleuchtet, Drum strahlet seine Tugend klar. Nun er die Halbkreishalle baute, Erliegt ihm auch der Koai-Barbar. Die kühnen Tigerhelden bringen Im Halbskreis Feindesohren dar; Und Richtern, klug wie Kao-Jao war, Den' bieten sie. Gefang'ne dar. Und seiner Mannen reiche Menge, Im wackern Herzen hoch getrost, Und für die Heerfahrt heiß erglühend, Wirft sie zurück nach Süd und Ost; Und kraftbewährt und groß dabei, Doch ohne Prunk und Prahlerei, Und nie aus Neid in Streit gerathen, Bringt sie zum Halbkreis ihre Thaten. Wie straff die hornbelegten Bogen! Wie Bündel Pfeile zischend flogen! Wie weit die Kriegeswagen drangen! Wie Fuß- und Fahrvolk ohne Bangen! Die Hoai-Barbaren sind besiegt, Ihr Widerstand ist rein zergangen! Ja, hältst du fest an deinem Plan, Wird jeder Hoai-Barbar gefangen. Flugs kommen diese Eulen dann, Sich auf den Halbkreis-Hain zu fetzen, Zu essen uns'rer Maulbeer'n Schwarz Und uns mit holdem Laut zu letzen. Geweckt sind dann die Hoai-Barbaren Und bringen uns von ihren Schätzen, Mit Schildkrot, Elephantenzahn Und Südgold reich uns zu ergetzen.–
in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 502-504. -
Zhu lin 株林: Fürst Ling's Besuche (Anonymous (Shijing))
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Was hat er in Tschu-lin zu thun? ‒ Hia-nan besucht er nun. Nicht um Tschu-lin ist's ihm zu thun; Hia-nan besucht er nun. "So schirrt mir an meinen Roßgespann! In Tschu's Umgebung rast' ich dann. Dem Fohlenspanne setz' ich zu Und nehme Frühstück ein in Tschu."–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 288. -
Zhuo 酌: König Wu (Anonymous (Shijing))
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O, mächtig war des Königs Heer; bei düstrer Zeit in Zucht erhalten, Und als die Zeit sich rein geklärt, Für sie auf's trefflichste gerüstet. Wir sind begnadigt zu empfah'n Des kriegerischen Königes Errung'nes. Um recht zu walten dieses Erbes, So haben wir dein Thun nur treulich nachzuahmen.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 495. -
Zi jin 子衿: Die Vernachlässigte (Anonymous (Shijing))
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Gehest nun im blauen Kragen, Und mein Herz will schier verzagen. Darf ich auch zu dir nicht gehn, Konntest du denn nichts mir lassen sagen? Hast den blauen Gurt genommen, Und ich sinne tief beklommen. Darf ich auch zu dir nicht gehn, Hättest du nicht können kommen? Ach du tanzest loser Lauer, In den Thürmen auf der Mauer; Und ein Tag, ohn' dich zu sehn, Hat mir dreier Monden Dauer!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 170. -
Zi yi 緇衣: Ergebenheitsbezeugungen des Volks für den Fürsten Wu (773-742) (Anonymous (Shijing))
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Das schwarze Kleid, wie steht es ihm so schicklich! Ist's abgetragen, so erneu'n wir's augenblicklich. Auf! geh'n wir zu des Herrn Palast und Saale, Und senden, heimgekehrt, dem Herrn Gerichte hin zum Mahle. Das schwarze Kleid, wie steht's ihm so erfreulich! Ist's abgetragen, so erneuen wir's getreulich. Auf! geh'n wir zu des Herrn Palast und Saale, Und senden, heimgekehrt, dem Herrn Gerichte hin zum Mahle. Das schwarze Kleid, wie steht es ihm so füglich! Ist's abgetragen, so erneu'n wir's unverzüglich. Auf! geh'n wir zu des Herrn Palast und Saale, Und senden, heimmgekehrt, dem Herrn gerichte hin zum Mahle.–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 153. -
Zou yu 騶虞: Der meisterhafte Jäger (Anonymous (Shijing))
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Auf jenen schilfbegrünten Auen Schoß er mit einem Mal fünf Sauen. Ho, horridoh! der Phönix-Leopard! Auf jenen rohrbegrünten Lachen Schoß er mit einem Mal fünf Bachen. Ho, horridoh! der Phönix-Leopard!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 91. -
Zun da lu 遵大路: Aus dem Schi-king, 32, „Den Heerweg hab' ich eingehalten“ (Anonymous (Shijing))
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Den Heerweg hab' ich eingehalten Und fasse, halte dich an deines Ärmels Falten. O laß den den Haß auf mich nicht walten! O nicht so schnell laß ab vom Alten! Den Heerweg hab ich eingehalten Und fass' und halte dich nun fest an deinen Händen. O wolle dich nicht von mir wenden. O nicht so schnell laß Liebe enden!–
in: Seliger, Paul (ed.). Der Völker Liebesgarten. Leipzig: Verlag Julius Zeitler, 1909. p. 12. -
Zun da lu 遵大路: Bitte um Versöhnung (Anonymous (Shijing))
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Den Heerweg hab' ich eingehalten, Und fasse, halte dich an deines Ärmels Falten. O lass' den Haß auf mich nicht walten! O nicht so schnell laß ab vom Alten! Den Heerweg hab' ich eingehalten, Und fass' und halte dich nun fest an deinen Händen. O wolle dich nicht von mir wenden! O nicht so schnell laß Liebe enden!–
in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 160.